Manipulationen am Libor-Zinssatz US-Hausbesitzer reichen Sammelklage ein

Stand: 15.10.2012 11:18 Uhr

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Einmal täglich wird der Libor-Zins in London ermittelt.

Im Skandal um Manipulationen des Interbankenzinses Libor haben US-Hausbesitzererstmals eine Sammelklage gegen zwölf der weltgrößten Banken eingereicht. Dies berichtet die "Financial Times". Die US-Hausbesitzer werfen den Banken vor, dass sie wegen der Manipulationen am Libor-Zinssatz in den Jahren 2000 bis 2009 mehr Geld für ihre variablen Hypothekenzinsen aufbringen mussten. Ihre Immobilienkredite hätten sich so über Gebühr verteuert.

Der Zins wird einmal täglich in London ermittelt und beruht auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Die sogenannte London Interbank Offered Rate (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Referenz für Geldgeschäfte in Billionenhöhe, auch Kredite orientieren sich daran.

100.000 Immobilienbesitzer könnten klagen

Händler bei Barclays, Bank of America und UBS in Europa und Nordamerika hätten den Libor insbesondere an Tagen künstlich in die Höhe getrieben, an denen die Hypothekenzinsen neu festgelegt worden seien. Die Kläger hätten so von 2000 bis 2009 Tausende von Dollar verloren. Rechtsanwalt John Sharbrough sagte der Zeitung, bis zu 100.000 Immobilienbesitzer könnten gegen die Banken klagen. Zur Höhe des von seinen Mandanten geltend gemachten Schadens äußerte er sich nicht.

Weltweit stehen mehr als ein Dutzend Großbanken unter Verdacht, den Libor in den vergangenen Jahren manipuliert zu haben, darunter auch die Deutsche Bank. Insgesamt ermitteln Behörden gegen 15 Geldhäuser, die über Jahre den Libor manipuliert haben sollen, um höhere Gewinne zu erzielen. Die britische Barclays akzeptierte Ende Juni eine Strafe von 290 Millionen Pfund (370 Mio Euro), Vorstandschef Bob Diamond trat zurück. Zudem musste die Bank eine Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar zahlen. Nun soll das System auf komplett neue Beine gestellt werden.

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