Verschiedene Lebensmittel liegen auf dem Kassenband eines Supermarkts | dpa

Ifo-Umfrage bei Händlern Teuerungswelle bei Lebensmitteln geplant

Stand: 01.07.2022 10:52 Uhr

Verbraucher in Deutschland müssen sich auf eine weitere Verteuerung von Nahrungsmitteln einstellen. Fast alle Händler planen laut einer Umfrage des ifo-Instituts Preiserhöhungen.

Für Lebensmittel müssen die Menschen in Deutschland nach Einschätzung des ifo-Instituts in den kommenden Monaten noch tiefer in die Tasche greifen. Einer aktuellen Umfrage des Forschungsinstituts zufolge lagen im Juni die Preiserwartungen der Einzelhändler für Nahrungs- und Genussmittel bei 98,9 Punkten. Das bedeutet, dass "fast jeder befragte Händler" höhere Preise plant.

Die Punkte geben an, wie viel Prozent der Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen. Der Saldo ergibt sich, indem vom prozentualen Anteil der Unternehmen, die ihre Preise anheben wollen, der prozentuale Anteil derer abgezogen wird, die ihre Preise senken wollen. Wenn alle befragten Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen, läge der Saldo bei hundert Punkten.  

"Inflationsrate dürfte hoch bleiben"

Die höheren Preiserwartungen gelten auch für die übrigen Sparten des Einzelhandels, wie das Institut mitteilte. Auch da will eine Mehrheit der Befragten die Preise anheben. Die Preiserwartungen stiegen dort auf 78,6 Punkte. "Damit dürften die Inflationsraten vorerst weiter hoch bleiben", erklärte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Erst am Mittwoch hatte das Statistische Bundesamt die Inflation für Juni auf 7,6 Prozent im Jahresvergleich geschätzt. Damit verlangsamte sich die Teuerung zwar etwas, sie liegt aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Nahrungsmittel verteuerten sich überdurchschnittlich stark um 12,7 Prozent.

Das ifo-Institut erklärte allerdings weiter, dass es erste Anzeichen dafür gebe, dass die Inflationsrate im späteren Verlauf des Jahres "allmählich wieder sinken" könnte. Die Preiserwartungen in einigen Wirtschaftszweigen, deren Produktion dem Konsum vorgelagert ist, sanken demnach schon das zweite Mal in Folge. Dazu zählen etwa die Industrie, das Baugewerbe und der Großhandel.

Lebensmittel in vielen Urlaubsländern teurer

Vergleicht man die hiesigen Lebensmittelpreise allerdings mit den Preisen in einigen beliebten Urlaubsländern, dann fällt auf, dass das Preisniveau für Nahrungsmittel und alkoholische Getränke dort zum Teil deutlich höher ist. Der Einkauf im Urlaub kann also teuer werden. "Unter allen ausgewählten europäischen Urlaubsländern war das entsprechende Preisniveau in der Schweiz am höchsten und lag um 54 Prozent über dem in Deutschland", schreibt das Statistische Bundesamt. Für die Untersuchung der Statistiker wurden die Preise im April herangezogen.

Auch in den nordeuropäischen Staaten Norwegen (+42 Prozent) und Island (+40 Prozent) kosteten Nahrungsmittel deutlich mehr als hierzulande. In den Nachbarstaaten Frankreich (+1 Prozent) und Österreich (+2 Prozent) mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in etwa genauso viel bezahlen. Besonders günstig wird der Einkauf für das Urlaubsessen in Polen (-30 Prozent) und in Ungarn (-17 Prozent).

Fleisch in der Schweiz doppelt so teuer  

Besonders deutlich sind die Unterschiede zum Teil bei Fleisch. In der Schweiz ist das Preisniveau für Fleisch doppelt so hoch wie in Deutschland, so ein Fazit des Bundesamtes. In Norwegen muss ein Viertel mehr bezahlt werden, in Luxemburg 17 Prozent mehr. Geringfügig höher als in Deutschland war das Preisniveau in Frankreich (+4 Prozent) und Österreich (+1 Prozent).

In Griechenland ist der Fleischeinkauf dagegen ein Fünftel billiger. Auch in den beliebten Urlaubszielen Spanien (-24 Prozent) und Portugal (-23 Prozent) zahlten Verbraucher weniger als in Deutschland. Noch günstiger ist der Einkauf von Fleisch in Kroatien (-30 Prozent).

Alkohol in Deutschland günstig

Bei Obst und Gemüse erwies sich Norwegen am teuersten: Hier liegt der Aufschlag bei 34 Prozent. In Polen waren diese Lebensmittel am günstigsten zu haben (-33 Prozent). Alkoholische Getränke sind in den meisten Urlaubsländern teurer als in der Bundesrepublik, Ausnahmen bilden hier nur Österreich (-2 Prozent) und Ungarn (-5 Prozent). Im Norden Europas waren sie am teuersten: In Island waren alkoholische Getränke 257 Prozent teurer, in Norwegen 217 Prozent teurer. Auch in den Niederlanden und in Frankreich das Preisniveau mit 17 beziehungsweise 16 Prozent über dem in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Juli 2022 um 08:55 Uhr.