Kühltheke mit Geflügelfleisch | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Landwirte unter Preisdruck "Nahrungsmittel sind erstaunlich billig"

Stand: 02.02.2020 07:47 Uhr

Der niedersächsische Ministerpräsident Weil hat das "Prinzip des niedrigsten Preises" für Lebensmittel kritisiert. Vieles sei "erstaunlich billig". Der Grünen-Vorsitzende Habeck forderte einen "Tierschutzcent".

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil hat sich in der Debatte um Lebensmittelpreise auf die Seite der Landwirte gestellt. "Viele Nahrungsmittel sind in Deutschland im Vergleich zu Nachbarländern erstaunlich billig", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bei zunehmenden Anforderungen an die Landwirte müssten auch die Preise für Lebensmittel im Supermarkt steigen, forderte er. "Mehr Leistung muss auch besser bezahlt werden. Anders bekommen die Bauern das nicht hin." Der Einzelhandel dürfe nicht das "Prinzip des niedrigsten Preises" hochhalten.

Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums ist das norddeutsche Flächenland das Agrarland Nummer 1 in Deutschland. Eine besonders große Rolle spielt die Tierhaltung. Wertmäßig die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind Milch, Schweine, Geflügel und Eier.

Habeck will Preisdumping verbieten

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck | Bildquelle: AFP
galerie

Habeck fordert einen "Tierschutzcent".

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck forderte von der Bundesregierung ein Verbot von Ramschpreisen bei Lebensmitteln. "Dieses Preisdumping im Supermarkt macht mich wütend. Das muss die Bundesregierung untersagen", sagte Habeck der "Bild am Sonntag". Er befürwortet einen "Tierschutzcent" auf tierische Produkte. "Damit wird der Umbau von Ställen finanziert und Tiere bekommen mehr Platz", sagte Habeck der Zeitung. Diesen kleinen Preisaufschlag würde der Verbraucher an der Kasse kaum merken.

Spitzengespräch im Kanzleramt

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht am Montag mit Vertretern von Einzelhandel und der Ernährungsindustrie. Das Treffen im Kanzleramt mit Verbänden und Supermarktketten war bereits nach einem "Agrargipfel" bei Merkel mit Vertretern der Landwirtschaft in Dezember angekündigt worden.

Hintergrund sind auch anhaltende Proteste von Bauern, die sich gegen neue Umweltauflagen, aber auch gegen umstrittene Billigangebote für Fleisch und andere Lebensmittel richten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Januar 2020 um 17:15 Uhr.

Darstellung: