Die Pflanzen eines Maisfelds bei Stotzheim sind zum Teil von den Wassermassen platt gedrückt worden und liegen nun am Boden. | dpa

Flutschäden auf Feldern Die großen Sorgen der Landwirte

Stand: 04.08.2021 15:08 Uhr

Das Hochwasser hat viele Landwirte hart getroffen: Höfe wurden zerstört, Felder überspült. Umweltschützer befürchten, dass Böden verseucht sein könnten.

Von David Zajonz, WDR

Beim Anblick seiner Felder klingt Landwirt Stephan Brock frustriert. Das Hochwasser hat die Anbauflächen überspült und mit Erde überzogen: "Man muss sich das vorstellen wie ein paniertes Schnitzel. Die Panade, also der Dreck, sitzt außen um den Halm rum." Die Halme wieder sauber zu bekommen, wäre sehr aufwendig; das verschmutze Heu kann er aber nicht an seine Pferde und Kühe verfüttern. Einige seiner Felder seien deshalb zur Zeit nicht mehr brauchbar, sagt der Landwirt.

David Zajonz

Brocks Bauernhof liegt im vom Hochwasser besonders betroffenen Landkreis Euskirchen. Ob beispielsweise Mineralöl hierher gespült worden ist, weiß er nicht. Aber auch ohne dass Giftstoffe auf seine Felder gelangt sind, kann er sie aktuell nicht nutzen. Das Landesumweltamt habe ihn aufgefordert, selbst Proben zu nehmen und einzuschicken, erzählt der Landwirt. Er wünscht sich Entschädigungen für die Flächen, auf denen er derzeit nichts anbauen und ernten kann. Seinen Schaden durch das Hochwasser schätzt er auf 250.000 Euro.

Gefahr durch Öl und Schwermetalle?

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace befürchtet, dass großflächig Felder verseucht sein könnten. "Wir haben ganze Heizölkessel gesehen, die mitgerissen wurden. Wir haben aufgerissene Autos gesehen, aus denen Benzin ausgelaufen ist”, erzählt Greenpeace-Aktivistin Viola Wohlgemuth, die selbst in die Hochwasser-Gebiete gereist ist. Neben Mineralölen könnten auch Schwermetalle in den Boden gelangt sein, so ihre Sorge. Wohlgemuth glaubt, dass nicht nur Felder, sondern auch Privatgärten und Spielplätze verschmutzt worden sind.

Der Deutsche Bauernverband sieht hingegen kein flächendeckendes Problem mit verseuchten Böden: "Wenn jemand eine solche Kontamination auf seiner Fläche hat, dann hat er ein riesiges Problem, und dann muss ihm auch geholfen werden", so der Generalsekretär des Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. Allerdings seien die Kontaminationen nur ein punktuelles Phänomen. Das Hauptproblem auf den Feldern seien Müll und Schutt, die angeschwemmt worden sind, sagt Krüsken.

Bodenproben werden untersucht

Greenpeace hat selbst Bodenproben genommen und fordert noch weitergehende Überprüfungen. Die Umweltschutzorganisation befürchtet eine längerfristige Verseuchung der Böden. Denn die Kontamination könne nicht vollständig wieder rückgängig gemacht werden, sagt Aktivistin Wohlgemuth: "Eine flächendeckende Entgiftung, also zum Beispiel das Abtragen von Böden, ist oft überhaupt nicht möglich." 

Die Untersuchungen dazu, wie groß das Problem der verseuchten Böden tatsächlich ist, laufen noch. Die Landwirte hat das Hochwasser in jedem Fall stark getroffen. Viele Felder sind zumindest vorübergehend nicht nutzbar, außerdem haben die Wassermassen Maschinen und Gebäude beschädigt. Entsprechend groß ist bei den Landwirten die Hoffnung auf Hilfe vom Staat.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. August 2021 um 12:00 Uhr.