Christine Lagarde | Bildquelle: AFP

EU-Finanzminister Lagarde als EZB-Präsidentin nominiert

Stand: 09.07.2019 14:09 Uhr

Die EU-Finanzminister haben Lagarde offiziell als Präsidentin der Europäischen Zentralbank nominiert. In ersten Gesprächen kursieren bereits Vorschläge, wer ihr an der Spitze des Internationalen Währungsfonds nachfolgen soll.

Die Französin Christine Lagarde hat von den EU-Finanzministern die offizielle Nominierung als neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten. Lagarde würde das Amt von Mario Draghi übernehmen. Der EU-Rat teilte mit, dass die endgültige Ernennung beim EU-Gipfel im Oktober erfolgen soll. Zuvor gibt es dazu noch Konsultationen im EZB-Rat und mit dem Europaparlament.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten Lagarde vergangene Woche beim EU-Sondergipfel als künftige EZB-Präsidentin vorgeschlagen. Lagarde ist seit 2011 Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Nach dem Vorschlag beim EU-Sondergipfel erklärte Lagarde, dass sie ihren Posten an der IWF-Spitze während der Nominierungsphase ruhen lassen wolle. Ihre zweite Amtszeit endet eigentlich Mitte 2021.

Finanzminister bringen Vorschläge für IWF-Spitze ein

Die IWF-Spitze wird traditionell von einem Europäer besetzt. Wer Lagarde nachfolgen soll, berieten die die EU-Finanzminister am Rande ihres Treffens ebenfalls. Vorentscheidungen über die Position wurden bei dem Treffen in Brüssel jedoch nicht getroffen.

Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna sagte, ein geeigneter Kandidat müsse die nötige Kompetenz und "große Erfahrung im Krisenmanagement haben". Ob diese Beschreibung auf den ehemaligen Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem zutreffe, bejahte Gramegna. Dijsselbloem war früher Finanzminister in den Niederlanden und hatte von Januar 2013 bis 2018 die Treffen der Eurostaaten geleitet - und jahrelang Erfahrungen in dieser Funktion während der Finanz- und Schuldenkrise gesammelt.

Geschlossene Unterstützung gefordert

Für den Spitzenjob in Washington wurden zahlreiche weitere Namen ins Gespräch gebracht. Der irische Finanzminister Paschal Donohoe sagte, den Job müsse auf jeden Fall wieder ein Europäer bekommen. Es sei deshalb wichtig, dass sich Europa "geschlossen hinter einen Kandidaten stellt", so Donohoe.

Auch der ehemalige britische Finanzminister George Osborne hatte sich als Lagardes Nachfolger vorgeschlagen. Der britische Zentralbankchef Mark Carney kursierte ebenfalls in der Presse Großbritanniens als möglicher Kandidat. EU-Diplomaten äußerten aber, dass aufgrund des Brexit es eher unwahrscheinlich sei, dass ein britischer Kandidat Unterstützung der anderen EU-Länder erhalten werde.

EU-Finanzminister nominieren Christine Lagarde offiziell für EZB-Spitze
Stephan Ueberbach, ARD Brüssel
09.07.2019 18:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2019 um 14:00 Uhr.

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