Hinweis auf Kameraüberwachung in einem Laden | Bildquelle: picture alliance / dpa

Studie veröffentlicht Zahl der Ladendiebstähle gestiegen

Stand: 25.06.2019 11:52 Uhr

Im Einzelhandel wurden 2018 Waren im Wert von rund 3,75 Milliarden Euro gestohlen. Trotz Videokameras, elektronischer Sicherung und Mitarbeiterschulungen. Immer öfter sind organisierte Banden am Werk.

Rasierklingen, Parfüm, Designerjeans: "Im Handel wird nach wie vor gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist", sagt Frank Horst, Sicherheitsexperte des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI. Im vergangenen Jahr betrugen die Verluste im Einzelhandel rund 3,75 Milliarden Euro - eine Steigerung von rund sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Dunkelziffer ist allerdings hoch. Sie liege bei 98 Prozent. Hochrechnungen des EHI zufolge bleiben jährlich fast 24 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt.

Vor allem Kunden stehlen

Täter sind Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten oder Servicekräfte. Gut 60 Prozent des Schadens verursachten Kunden. Jeden Tag stehlen sie laut der Kölner Handelsexperten Ware im Wert von etwa 7,7 Millionen Euro. Im Jahr sind das 2,4 Milliarden Euro. Knapp 27 Prozent der Diebstähle gehen auf das Konto von Mitarbeitern, etwa eine Milliarde Euro. Weitere gut neun Prozent verursachen Lieferanten und Servicekräfte.

Organisierte Raubzüge nehmen zu

Rund ein Viertel aller Delikte begehen, was den Wert der Ware betrifft, organisierte Banden, so die Autoren. Schwere Ladendiebstähle haben in den vergangenen zwölf Jahren laut Kriminalstatistik um mehr als das Zweieinhalbfache zugenommen. Die Zahl der angezeigten einfachen Ladendiebstähle sinke dagegen seit Jahren.

Bei Bandendiebstählen werden der Studie zufolge bei einem einzigen Raubzug in der Regel Waren im Wert von 1000 bis 2000 Euro entwendet. Die Aufgabenverteilung sei dabei oft festgelegt: einer beobachte das Verkaufspersonal und lenke es ab, einer stelle das Diebesgut in "Depots" zusammen und trage die Ware aus dem Geschäft. Eine weitere Person sichere den Fluchtweg.

Der typische Täter ist...

Fast zwei Drittel der ermittelten Tatverdächtigen sind laut Polizeistatistik männlich. Der Ausländeranteil sei überdurchschnittlich hoch und der Anteil der Mehrfachtäter betrage rund 60 Prozent, berichtete das EHI. Fast jeder zehnte erwischte mutmaßliche Ladendieb stand zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss harter Drogen.

Fast nichts ist vor den Dieben sicher. "Generell gilt: Was sich gut verkauft, wird auch oft geklaut", heißt es in der EHI-Studie. Im Lebensmittelhandel seien es Spirituosen, in Drogeriemärkten Parfüms und Kosmetik. Im Modehandel würden besonders häufig hochwertige Markenbekleidung, beispielsweise Jeans und Turnschuhe entwendet. Im Elektronikhandel lassen die Kunden laut der Studie gerne Konsolenspiele, Smartphones und Speicherkarten mitgehen. In Baumärkten seien Akkuschrauber und anderes Werkzeug erste Wahl.

Der Handel ist dennoch nicht unzufrieden

Viele Einzelhändler schulen der Studie zufolge ihre Mitarbeiter, um Diebstahl einzudämmen. Vier von fünf Unternehmen setzten außerdem auf Kamera- und Videotechnik. Bei weit über der Hälfte der Firmen seien zumindest Teile der Waren elektronisch gesichert. Fast die Hälfte setze Detektive ein.

Trotz des Milliardenschadens seien die Unternehmen alles in allem gar nicht unzufrieden mit ihren Erfolgen im Kampf gegen den Diebstahl. Mehr als 60 Prozent bewerteten in der EHI-Umfrage ihre Inventurdifferenzen als akzeptabel oder besser. Nur jede zwölfte Firma bewertete die Situation als "stark verbesserungsfähig".

Studie: Milliardenschäden durch Ladendiebstahl
Anne Schneider, WDR
25.06.2019 16:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Juni 2019 um 11:45 Uhr.

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