Ein Laborant steht im Labor der Firma Bioscientia an einem PCR-Vollautomaten zur Untersuchung von Corona-Abstrichen.  | picture alliance/dpa

Engpässe bei PCR-Tests Laborbranche am Limit

Stand: 30.11.2021 14:58 Uhr

Weil mit steigenden Infektionszahlen immer mehr PCR-Tests benötigt werden, stoßen Labore an ihre Grenzen. Ergebnisse lassen oft länger auf sich warten, vielerorts wird bereits priorisiert.

Von Stephan Lenhardt, SWR Mainz

"Mehr als das Maximale können die Mitarbeitenden nicht leisten, und das reicht in einigen Regionen mit besonders drastischem Infektionsgeschehen aktuell nicht immer." Die Worte von Evangelos Kotsopoulos vom Verband "Akkreditierte Labore in der Medizin" klingen wie ein Hilferuf. Sein Verband ermittelt wöchentlich unter 179 Laboren bundesweit deren Auslastung. Und die Grenze der Belastung scheint mancherorts bereits erreicht.

Stephan Lenhardt

Jeder fünfte Test positiv 

Laut aktuellen Daten lag die Auslastung in der vergangenen Woche in mehreren Bundesländern bereits bei weit mehr als 100 Prozent. Es gibt dort also mehr Tests zu bearbeiten als eigentlich möglich. Im Saarland beispielsweise liegt die Auslastung bei 170 Prozent, in Sachsen bei 143, in Thüringen bei 125 und in Baden-Württemberg bei 118 Prozent.

Damit fallen nicht nur Überstunden, Extraschichten und Wochenenddienste für Laborkräfte an; je höher die Auslastung, desto länger kann es dauern, bis PCR-Testergebnisse vorliegen. Der Verband selbst sieht eine Auslastung von mehr als 80 Prozent bereits kritisch. "Die Gefahr besteht, dass bei einer Auslastung nahe oder regional oberhalb der Maximalgrenze schon bei kleineren Ausfällen von Personal oder Geräten die Befundlaufzeiten auf mehrere Tage steigen, was es unbedingt zu vermeiden gilt", sagt Kotsopoulos. Mittlerweile ist mehr als jeder fünfte Test positiv. Rund 1,8 Millionen PCR-Tests haben Labore in Deutschland untersucht.  

Das Labor von Martin Volkmann in Karlsruhe ist beispielsweise auf rund 4000 Tests täglich ausgelegt. Derzeit kämen aber rund 5000 Abstriche am Tag. So beschrieb der Geschäftsführer in der Zeitung "Rheinpfalz" die Situation bereits vor einigen Tagen: "Wir rufen die Einsender an und sagen, schicken Sie nur noch so und so viele Proben", so Volkmann. Bei einer eindeutigen Lage wie einem Ausbruch müsse dann ein Schnelltest reichen. 

Manchmal 48 Stunden Wartezeit auf den Befund 

"Wir sind da, wo wir im letzten Jahr waren. Man hofft, dass alle Geräte halten und dass alle Mitarbeiter gesund bleiben", sagt Oliver Harzer. Er ist ärztlicher Leiter des Laborverbunds Bioscientia mit Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Ingelheim. Bioscientia hat 19 Standorte in ganz Deutschland. Täglich analysieren sie bis zu 25.000 Proben. "In der Regel schaffen wir es irgendwie, innerhalb von 24 bis 48 Stunden Ergebnisse zu produzieren", sagt Harzer. Dafür werden Proben aber beispielsweise von Freiburg nach Ingelheim gefahren. Und das dauert entsprechend länger.

Ein wenig erinnert dies an das Kleeblatt-System für überlastete Intensiv-Stationen. "In Bayern, Baden-Württemberg oder auch in Sachsen kann es schon sein, dass sie 48 Stunden auf einen Befund warten müssen". Wenn das Aufkommen wie im vergangenen Jahr nicht mehr zu bewältigen ist, dann würden medizinische Einrichtungen bevorzugt. Im Klartext: Wer mit dem Flieger in den Urlaub starten will oder den Friseurtermin braucht, muss warten.

 

Vorrang für medizinische Proben

Diese Priorisierung ist auch für die zuständigen Gesundheitsministerien der Länder der richtige Weg. "Wer den Test nur als Nachweis etwa für eine Freizeitaktivität oder den Friseur braucht, soll bei solchen Engpässen nicht prioritär behandelt werden", heißt es aus Stuttgart auf tagesschau-Anfrage. "Speziell der ostsächsische Bereich ist maximal belastet", schreibt ein Sprecher des Sozialministeriums Sachsen. "Zu den überlasteten Laboren treten die überlasteten Gesundheitsämter hinzu - beides hat negative Auswirkungen auf die Beobachtung der Coronavirus-Infektion."

Die Länder-Gesundheitsminister hatten zuletzt deshalb auch Änderungen am Infektionsschutzgesetz gefordert. Vor allem für medizinisches Personal seien die Testpflichten zu streng, wenn auch vollständige Geimpfte eine tägliche Testung bräuchten. "Die Testkapazitäten sind nur begrenzt verfügbar und insbesondere sind auch die Laborkapazitäten durch die hohen Inzidenzen in zahlreichen Ländern bereits ausgeschöpft", sagt der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek.  

Laborverband ruft zur Kontaktreduzierung auf

Der Verband der Akkreditierten Medizinischen Labore ruft zur Kontaktreduzierung auf: "Wir unterstützen diesen dringenden Appell ausdrücklich", sagt Vorstandsmitglied Nina Beikert. "Unabhängig von politischen Entscheidungen sind wir alle jetzt mehr denn je selbst gefordert, eigenverantwortlich Maßnahmen umzusetzen, damit wir die Pandemie möglichst schnell eindämmen und die Zunahme an Infektionen stoppen können."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. November 2021 um 14:30 Uhr.