Ein Arbeiter reinigt ein Exzenterrad | Bildquelle: dpa

Corona-Krise DGB will mehr Geld für Kurzarbeiter

Stand: 09.04.2020 10:57 Uhr

Für Mai, Juni und Juli sollte das Kurzarbeitergeld deutlich erhöht werden - das fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund. Maximal 87 Prozent statt wie bisher 67 Prozent sollten Betroffene in der Corona-Krise erhalten.

Rund 650.000 Betriebe haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bis Anfang dieser Woche Kurzarbeit angemeldet - ein Anstieg um 40 Prozent binnen einer Woche. Insgesamt rechnet die Bundesregierung mit über zwei Millionen Bezieherinnen und Beziehern. Sie erhalten von der Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent (ohne Kinder) oder 67 Prozent (mit Kindern) ihres entgangenen Nettoeinkommens. Das sei für viele Menschen zu wenig, findet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und fordert eine Aufstockung. Für die Monate Mai bis Juli sollten die Kurzarbeiter einen 20-Prozentpunkte-Aufschlag erhalten - also 80 bis 87 Prozent ihres entgangenen Nettolohns.

Was man brauche, sei ein klares Signal an die Menschen, dass sie durch diese schwierige Zeit gebracht werden "und nicht in der Sozialhilfe landen", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. Arbeitsminister Hubertus Heil hatte vor einigen Tagen eine allgemeine Erhöhung ins Spiel gebracht und angekündigt, mit Arbeitgebern und Gewerkschaften darüber zu reden. Heute könnte das Kurzarbeitergeld auch im Corona-Krisenkabinett besprochen werden.

"Eine erhebliche Belastung"

DGB-Chef Hoffmann sagte, eine gemeinsame Lösung mit den Arbeitgebern zur Aufstockung sei leider nicht möglich gewesen, deshalb müsse nun der Weg für eine gesetzliche Erhöhung freigemacht werden. "Wir werden erleben, dass Menschen, die 40 Prozent Einkommenseinbußen haben, ihre Mieten nicht mehr bezahlen können." Dies betreffe auch Ratenkredite fürs Auto oder das Eigenheim. "Strom, Wasser, Rundfunkgebühren - alles, was da anfällt, wird für sie eine erhebliche Belastung."

Auch die Grünen hatten eine gestaffelte Aufstockung des Kurzarbeitergeldes gefordert, so dass Menschen mit kleinerem Einkommen bis zu 90 Prozent ihres Nettolohns erhalten. Ver.di begrüßte die Debatte. Laut Gewerkschaftschef Frank Werneke ist Deutschland im europäischen Vergleich Schlusslicht bei der Höhe des Kurzarbeitsgeldes: "Angemessen ist daher aus meiner Sicht die Erhöhung des gesetzlichen Kurzarbeitsgeldes auf 80 Prozent vom Netto, für Beschäftigte mit Nettoeinkommen unter 2500 Euro im Monat auf 90 Prozent vom Netto."

Einige Unternehmen stocken freiwillig auf

Wenn Unternehmen in Schwierigkeiten geraten und die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter reduzieren, springt die Bundesagentur für Arbeit ein und ersetzt einen Teil des weggefallenen Nettoeinkommens. Einige Unternehmen und Branchen stocken das Kurzarbeitergeld mit eigenen Beträgen auf, so dass der Einkommensverlust für die Beschäftigten gering bleibt.

In der Corona-Krise sind besonders Beschäftigte in den Dienstleistungsberufen, aber auch Handwerker und Kulturschaffende betroffen. Laut DGB müssen Angestellte in der Gastronomie, deren Arbeitsplätze derzeit vollständig geschlossen sind, derzeit mit 720 Euro im Monat auskommen, Gebäudereiniger mit 780 Euro. Besonders schwer betroffen sind Angestellte, die bisher in Teilzeit beschäftigt waren. Von ihnen mussten laut DGB nun viele Hartz IV beantragen. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. April 2020 um 07:37 Uhr.

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