Gewitterwolken über dem Bankenviertel von Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa

Finanzexperten zu Corona-Krise "Das dicke Ende steht noch aus"

Stand: 02.09.2020 16:05 Uhr

Führende Banker und Finanzaufseher warnen vor den Folgen der Corona-Krise. Das dicke Ende komme noch, sagte Bafin-Präsident Hufeld. Es gebe jedoch keinen Grund zur Panik. Deutsche-Bank-Chef Sewing hält Flexibilität für überlebensnotwendig.

Deutschlands Banken drohen nach Einschätzung der Finanzaufsicht Bafin erhebliche Einbußen infolge der Corona-Krise. "Wir haben das Schlimmste ganz sicher noch nicht gesehen", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Felix Hufeld, bei einer Tagung in Frankfurt am Main. Die Branche müsse sich darauf einstellen, dass es zu einer Reihe von Kreditausfällen kommen werde: "Das dicke Ende steht noch aus."

Szenarienrechnungen kämen zu dem Ergebnis, dass zwei bis sieben Prozent des Kernkapitals der Institute aufgezehrt werden könnten, erklärte Hufeld. Das sei für die Branche in Deutschland insgesamt verkraftbar - allerdings sei das keine Aussage über die 20 bis 30 schwächsten Institute. Im Moment gebe es mit Blick auf die Finanzstabilität keinen Grund zur Panik.

Flexibilität gefragt

Mit einer neuen Finanzkrise wie 2008 sei aber nicht zu rechnen, da die Institute deutlich besser aufgestellt seien, ergänzte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. "Mit Blick auf die nächsten zwölf bis 18 Monate sehe ich die Banken in einer guten und komfortablen Stellung." Es sei jedoch jetzt wichtig, dass die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle an die neuen Marktbedingungen anpassten. Sie müssten besonders flexibel sein, um in dem Umfeld dauerhaft zu überleben. Eine dauerhafte Subventionierung durch den Staat sei falsch.

"Das Vor-Krisen-Niveau werden wir noch eine ganze Weile nicht erreichen - nicht in diesem und auch nicht im nächsten Jahr", so Sewing weiter. Man müsse sich darauf einstellen, dass die Wirtschaft in einigen Bereichen nur mit 90, 80 oder gar 70 Prozent ihrer Kapazität laufe.

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank | Bildquelle: REUTERS
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Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank: Banken müssen Geschäftsmodelle anpassen.

Sewing warnte vor "Zombie-Unternehmen", also Firmen, die nur mit Rettungsgeldern des Staates am Leben gehalten werden. Diese könnten gravierende Auswirkungen auf die Produktivität der Wirtschaft haben.

Schleweis: Mehr Effizienz bei Banken nötig

Auch Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis sieht wegen der Corona-Krise und der dauerhaft niedrigen Zinsen viel Druck für die Banken, effizienter zu werden. "Don't walk, run. Das gilt für die gesamte Kreditbranche."

Privatbankenpräsident Hans-Walter Peters hofft, dass die Wirtschaft 2022 das Vorkrisenniveau erreicht. "Ich setze einfach darauf, dass unsere Unternehmen, gerade auch der Mittelstand, sehr flexibel sind."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. September 2020 um 15:00 Uhr.

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