Operation in einem Krankenhaus | Bildquelle: dpa

Todesfälle in Kliniken "Wochenendeffekt" bleibt rätselhaft

Stand: 09.06.2019 17:42 Uhr

"Wochenendeffekt" klingt harmlos - ist es aber nicht: Das Todesrisiko für an einem Samstag oder Sonntag eingelieferte Klinikpatienten ist deutlich erhöht. Forscher haben jetzt nach den Ursachen gesucht.

Am Wochenende aufgenommene Klinikpatienten haben ein höheres Risiko zu sterben. Mehrere Studien bewiesen bereits diesen sogenannten Wochenendeffekt: Die Wahrscheinlichkeit zu sterben, steigt demnach um 16 Prozent.

Ein internationales Forscherteam hat die Gründe für das Phänomen untersucht. Dafür berücksichtigten sie 68 Studien zum "Wochenendeffekt", die zwischen 2000 und 2017 veröffentlicht wurden. Insgesamt wurden darin 640 Millionen Krankenhausaufenthalte vorwiegend aus den USA und Großbritannien erfasst. Aus den Daten lasse sich keine klare Ursache für die höhere Sterblichkeitsrate ableiten, schließen die Wissenschaftler im Fachmagazin "BMJ Open".

Versorgungsqualität wohl keine Erklärung

Gesundheitsexperten gingen bislang meist von schlechterer Versorgungsqualität als Erklärung für den "Wochenendeffekt" aus. Die Autoren der Studie warnen jedoch vor diesem Rückschluss.

Dagegen spreche zum einen, dass nicht alle Patientengruppen betroffen seien. Bei Schwangeren ließ sich der "Wochenendeffekt" etwa kaum nachweisen. Zum anderem reiche die Datenlage nicht aus. So sei in kaum einer Studie untersucht worden, wie viel Personal vor Ort war und mit welchem Gesundheitszustand die Patienten ins Krankenhaus kamen.

Deshalb halten die Wissenschaftler auch folgende Theorie für möglich: Menschen, die am Wochenende in die Notaufnahme kommen, könnten im Mittel schwerer erkrankt sein als jene, die sich unter der Woche dorthin begeben.

Weitere Studien nötig

"Natürlich besteht die Möglichkeit, dass Patienten am Wochenende vielleicht länger abwarten, bevor sie in die Notaufnahme gehen. Aber gerade vor dem Hintergrund, dass diese Patienten eine schlechtere Prognose haben, müssen wir mit der entsprechenden Versorgung darauf reagieren können", sagte Anna Slagman, Professorin für notfallmedizinische Versorgungsforschung an der Charité Berlin.

Die Stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit wies darauf hin, dass am Wochenende vor allem junge Ärzte im Dienst seien. Außerdem stünden häufig Fachärzte nur als Rufdienst zur Verfügung. Zudem gebe es weniger OP- und andere diagnostische Ressourcen.

Der Rückschluss der Forscher: "Die Krankenhaussterblichkeit ist ein Signal, aber es liegt im Dunkeln, wo es genau herkommt, und es ist unwahrscheinlich, dass es ein geeigneter Maßstab für die Versorgungsqualität während des Aufenthalts ist."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2019 um 14:00 Uhr.

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