Eine Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett durch einen Flur (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Wegfallende Operationen Klinik plant Kurzarbeit - trotz Corona

Stand: 27.03.2020 11:01 Uhr

Überall auf der Welt wird wegen des Coronavirus versucht, Kapazitäten in Krankenhäusern auszubauen. Doch eine deutsche Klinik denkt darüber nach, Ärzte und Pfleger in Kurzarbeit zu schicken.

Von Jennifer Lange, Elena Kuch und Christoph Prössl, NDR

Die Schön-Klinik in Hamburg-Eilbek hat ein breites Angebot: Unter anderem Orthopädie, Innere Medizin, allgemeine Chirurgie. Hier werden auch viele Operationen durchgeführt, die aufgeschoben werden können. Der Ersatz von Gelenken beispielsweise. Und weil diese sogenannten Elektivmaßnahmen gerade vermehrt abgesagt werden, plant die Schön-Klinik-Gruppe Kurzarbeit.

Der Konzern betreibt an 14 Standorten in Deutschland Krankenhäuser, sie sei "die größte familiengeführte Klinikgruppe", heißt es auf der Internetseite. Jan Herzog ist Betriebsrat in der Schön-Klinik Hamburg-Eilbek. Bislang hat der Krankenpfleger es abgelehnt, mit der Konzernführung eine Vereinbarung zur Kurzarbeit abzuschließen. Viele Beschäftigte hätten das Gefühl, dass das Krankenhaus seinen Beitrag leisten sollte, in der Krise Infizierte zu behandeln. Kurzarbeit passt da so gar nicht.

Für den Betriebsrat in diesen Zeiten unpassend

Herzog fordert, die Belegschaft solle sich vorbereiten können auf zusätzliche Corona-Patienten. Der Betriebsrat sagt, dass die Geschäftsführung in den Verhandlungen nicht ausschließen wollte, dass eben auch Ärzte und Pfleger in Kurzarbeit geschickt werden. Für Herzog in diesen Zeiten einfach unpassend.

Eine Konzernsprecherin teilte schriftlich mit, Deutschlands Krankenhäuser stünden angesichts der derzeitigen Lage vor großen finanziellen Herausforderungen und könnten in Liquiditätsengpässe geraten: Dazu könne es kommen, "weil wir derzeit gemäß den Anforderungen der Länder viele operative Eingriffe absagen, die nicht dringlich erforderlich sind." Zudem würden viele Patienten geplante Operationen von sich aus absagen. Der Konzern hat seinen Mitarbeitern angeboten, das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent des Nettolohns aufzustocken.

Klinik verweist auf abgesagte Operationen

Dem Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, sind derzeit keine weiteren Fälle bekannt, dass Krankenhäuser planen, Kurzarbeit anzumelden: "Die Kliniken müssen auch aus finanziellen Gründen nicht so handeln. Die Bundesregierung hat ein Schutzschirmkonzept beschlossen. Jede Klinik bekommt für nicht belegte Betten Ausgleichszahlungen."

Viele Krankenhäuser würden nicht notwendige Leistungen runter fahren. 20 bis 30 Prozent der Patienten fallen derzeit weg. So entstünde Zeit, sich auf bevorstehende Herausforderungen vorzubereiten, sagt Baum.

Auch Schön-Kliniken bereiten sich auf Corona vor

Auch die Schön-Kliniken bereiten sich vor. Am Standort Eilbek beispielsweise stockte das Unternehmen die Zahl der Intensivbetten von acht auf 32 auf, in allen 14 Kliniken des Unternehmens bundesweit gebe es 80 Betten mit Beatmungskapazität.

Bleibt die Auseinandersetzung um die Kurzarbeit. Der Betriebsrat muss den Plänen zustimmen.

Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, nennt die Situation "paradox" und "kontraproduktiv". Viele Krankenhäuser bereiteten sich auf zahlreiche Corona-Patienten vor, erhöhten den Personalbestand und andere Kliniken planten Kurzarbeit. Er schlägt vor: Ein Teil der Krankenhäuser solle sich auf Corona-Patienten spezialisieren, andere die normalen Fälle behandeln.

Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile haben die Schön-Kliniken mitgeteilt, dass Ärzte und Pfleger von möglicher Kurzarbeit ausgeschlossen sein sollen.

Kurzarbeit in Klinikum
Christoph Prössl, NDR
27.03.2020 07:36 Uhr

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