Ein Güterzug passiert auf dem Weg nach Norden den Bahnhof von Dabendorf (Archivbild). | dpa

Herbstprognose Konjunkturerwartungen deutlich gesunken

Stand: 14.10.2021 10:27 Uhr

Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturerwartungen deutlich gesenkt. Sie rechnen für 2021 nun nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,4 Prozent - nach einer Prognose von 3,7 Prozent im Frühjahr.

Der Aufschwung in Deutschland fällt in diesem Jahr aus Sicht führender Wirtschaftsforschungsinstitute deutlich geringer aus als zunächst erwartet.

In ihrem heute veröffentlichten Herbstgutachten gehen die Expertinnen und Experten von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,4 Prozent aus. Im Frühjahr hatten die Institute noch damit gerechnet, dass nach dem coronabedingten Einbruch der Wirtschaft 2020 in diesem Jahr ein Anstieg um 3,7 Prozent zu erwarten sei. Im Gesamtjahr 2020 war das Bruttoinlandsprodukt um 4,9 Prozent gesunken.

Lieferengpässe belasten Wirtschaft

Die wirtschaftliche Lage sei weiterhin von der Corona-Krise belastet, hinzu kämen Lieferengpässe, hieß es zur Begründung. Zwar werde die Krise allmählich überwunden. "Allerdings behindern im Verarbeitenden Gewerbe Lieferengpässe bei Vorprodukten die Produktion, sodass nur die konsumnahen Dienstleistungsbranchen zulegen." Zudem sei wegen der anhaltenden Pandemie eine vollständige Normalisierung "kontaktintensiver Aktivitäten kurzfristig nicht zu erwarten".

Daher dürfte die deutsche Wirtschaft erst im Laufe des Jahres 2022 wieder "die Normalauslastung erreichen", prognostizierten die Forscher. Für 2022 rechnen sie mit einem Wirtschaftswachstum von deutlichen 4,8 Prozent. Im Frühjahr waren sie noch von einem Plus von 3,9 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen - die Erholung würde sich also verschieben.

Rohstoffknappheit weiteres Problem

Mehrere Ökonomen sowie Wirtschaftsverbände hatten bereits in den vergangenen Wochen ihre Prognosen heruntergeschraubt. Die Lage belastet auch den wichtigen deutschen Export, der im August an Schwung verloren hatte. Erstmals seit Mai 2020 lieferten die Unternehmen weniger ins Ausland als in einem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am vergangenen Freitag auf Basis vorläufiger Daten mitgeteilt hatte. Allerdings lagen die Exporte immer noch über dem Vorkrisenniveau von Februar 2020. "Steigende Frachtpreise und ein Mangel an Containern erschweren das internationale Geschäft und lassen die Preise für alle Marktakteure in die Höhe steigen", hatte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura, die aktuelle Lage beschrieben.

Zugleich mache den Unternehmen die Rohstoffknappheit zu schaffen. Der Industrieverband BDI hatte erklärt: "Probleme in globalen Lieferketten, hohe Logistikkosten und ungeklärte Handelsstreitigkeiten verdunkeln den Konjunkturhimmel und haben in der Folge massive Auswirkungen auf die Exporte."

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Institute wird zweimal im Jahr erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst - und zwar vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem Ifo-Institut, dem Institut für Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.

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Moderation 14.10.2021 • 21:16 Uhr

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