Europäische Wirtschaft schrumpft nur noch leicht Absturz im Euro-Raum gebremst

Stand: 13.08.2009 13:21 Uhr

Bauarbeiter auf einer Baustelle
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Die EU-Kommission hatte mit weit schlechteren Wirtschaftsdaten gerechnet.

Die Wirtschaft in den 16 Staaten der Euro-Zone ist im zweiten Quartal 2009 nur noch um 0,1 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr geschrumpft. Grund dafür ist nach einer ersten Schätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat das unerwartete Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland und in Frankreich um jeweils 0,3 Prozent.

Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung im Euroraum noch um 2,5 Prozent abgesackt. Im Vergleich zum zweiten Vierteljahr 2008 schrumpfte das BIP um 4,6 Prozent.

Für die gesamte Europäische Union errechneten die Statistiker einen Rückgang des BIP um 0,3 Prozent im Vorquartalsvergleich. Gegenüber 2008 lag die Wirtschaftsleistung 4,8 Prozent niedriger.

Slowakei wächst am stärksten

Zu den Ländern mit einem leichten Wachstum zählen neben Deutschland und Frankreich auch Griechenland und Portugal. Am stärksten legte die Wirtschaftsleistung mit 2,2 Prozent in der Slowakei zu. Den größten Einbruch mit einem Minus von 12,3 Prozent gab es in Litauen.

Rezession

Rezession bezeichnet eine Phase stagnierenden oder negativen Wirtschaftswachstums, meist einhergehend mit anhaltenden Kursverlusten an der Börse. Eine Rezession ist gegeben, wenn die Wirtschaft zwei Quartale hintereinander nicht wächst oder schrumpft. Eine ausgeprägte Form dieser Konjunktur-Abkühlung ist die Depression. Sie beschreibt den nachhaltigen konjunkturellen Niedergang, der sich in einer erheblichen Schrumpfung des Sozialprodukts, Deflation und hoher Arbeitslosigkeit äußert.

Von den westlichen EU-Ländern verzeichneten unter anderem Großbritannien (minus 0,8 Prozent), Italien (minus 0,5 Prozent) und die Niederlande (minus 0,9 Prozent) weiterhin einen negativen Trend. Verglichen mit dem Vorjahresquartal schrumpfte in allen EU-Ländern die Wirtschaftsleistung.

Lage besser als angenommen

Die Zahlen der EU-Chefstatistiker übertrafen die Erwartungen der EU-Kommission. "Die Lage ist viel besser, als wir es angenommen hatten", sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Im Frühjahr war die EU-Kommission noch von einem Minus von 0,7 Prozent für das zweite Quartal in der Eurozone und der EU-27 ausgegangen. Die neuen Zahlen ordneten sich in eine Reihe zaghafter Anzeichen für eine Stabilisierung ein.

Arbeitsmarkt weiter unter Druck

Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet trotzdem nur mit einer langsamen Erholung in der gesamten Eurozone. Die Konjunktur werde im zweiten Halbjahr 2009 schwach bleiben. In ihrem Monatsbericht begründet die Notenbank ihre Einschätzung mit "verzögerten negativen Effekten". So dürfte sich die Lage am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten weiter verschlechtern. Erst für 2010 sei nach einer Phase der Stabilisierung mit einer Erholung zu rechnen, so die Notenbank.

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