Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen entladen. | dpa

Prognose der Wirtschaftsweisen Lieferengpässe bremsen Wachstum

Stand: 10.11.2021 13:53 Uhr

Lieferengpässe belasten die Industrie und Verbraucher sind weniger konsumfreudig. Als Folge wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur um 2,7 Prozent wachsen, prognostizieren die sogenannten Wirtschaftsweisen.

Nachdem der Bundesregierung haben auch die sogenannten "Wirtschaftsweisen" ihre Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Wie aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hervorgeht, das dieser nun an die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben hat, erwarten die Ökonomen für das laufende Jahr einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 2,7 Prozent. Im März hatten sie noch mit einem Plus von 3,1 Prozent gerechnet. Damit hinkt Deutschland vergleichbaren Staaten in Europa hinterher.

Zwar habe sich die Erholung der deutschen Wirtschaft im Sommer fortgesetzt. Allerdings werde sie durch "durch vielfältige angebotsseitige Engpässe gedämpft", teilten die Experten mit. Im Oktober hatte bereits die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose auf 2,6 Prozent gesenkt, nachdem sie im Frühjahr noch von einem Jahresplus von 3,5 Prozent ausgegangen war.

Monika Schitzer übergibt das Jahresgutachten des Sachverständigenrats an Kanzlerin Merkel | dpa

Monika Schitzer übergab das Jahresgutachten des Sachverständigenrats an Kanzlerin Angela Merkel. Bild: dpa

Erholung auf 2022 verschoben

Abgesagt ist die Erholung aber nicht. Wenn sich im nächsten Jahr die private Nachfrage nach Dienstleistungen und die Industrieproduktion normalisieren, dürfte das Wirtschaftswachstum weiter anziehen. Für 2022 rechnen die "Wirtschaftsweisen" mit einem Wachstum von 4,6 Prozent. Allerdings sei die "Unsicherheit über die kommende wirtschaftliche Entwicklung" hoch, warnten die Experten. Demnach könnten neue pandemiebedingte Einschränkungen oder länger anhaltende Lieferengpässe die Erholung stärker belasten.

Damit teilen die Wirtschaftsweisen die Einschätzungen anderer Experten. Die Ökonomen der Deutschen Bank erwarten für das Winterhalbjahr eine Stagnation des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - im günstigsten Fall. Denn auch ein Minus wollen sie nicht ausschließen. Die angebotsseitigen Engpässe würden weiter anhalten und erst im Lauf des nächsten Jahres allmählich abklingen, so die Deutsche Bank. "Angesichts des kräftigen Anstiegs der Corona-Fallzahlen dürfte sich der private Verbrauch abschwächen, nachdem er noch im Sommer die Wachstumslokomotive war." Deshalb könne auch eine Kontraktion der Wirtschaftsleistung nicht ausgeschlossen werden.

EZB sollte Zügel wieder anziehen

Bei der Inflation, die derzeit in Deutschland mit 4,5 Prozent auf dem höchsten Wert seit Ende 1993 liegt, gehen die Ökonomen des Sachverständigenrats von einer allmählichen Entspannung aus. Die Jahresteuerung dürfte von durchschnittlich 3,1 Prozent in diesem Jahr auf 2,6 Prozent im nächsten Jahr sinken, prognostizieren die Wirtschaftsweisen. Sie warnen jedoch: "Länger anhaltende angebotsseitige Engpässe, höhere Lohnabschlüsse und steigende Energiepreise stellen Risiken dar." Dadurch könnten eigentlich vorübergehende Preistreiber zu dauerhaft höheren Inflationsraten führen.

Angesichts dieser Gefahren raten die Wirtschaftsweisen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einem rechtzeitigen Ausstieg aus ihrer Nullzinspolitik. Zunehmende Inflationsrisiken sowie steigende Abhängigkeiten der öffentlichen Haushalte vom niedrigen Zinsniveau in einigen Mitgliedstaaten könnten sich zu einem Dilemma entwickeln, warnt der Sachverständigenrat. "Wenn die Geldpolitik zu spät oder zu inkonsequent reagiert, kann dies die wirtschaftliche Entwicklung gefährden", sagte Ratsmitglied Volker Wieland. Die Währungshüter würden zu einem nachhaltigen Aufschwung am besten durch die Sicherstellung der Preisstabilität beitragen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat zwar signalisiert, dass sie das zu Beginn der Corona-Pandemie aufgelegte Anleihekaufprogramm PEPP im kommenden Frühjahr auslaufen lassen will - eine bindende Entscheidung wird erst im Dezember erwartet - doch einer Zinsanhebung steht die Notenbankchefin weiter reserviert gegenüber.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2021 um 14:00 Uhr.