"Wegen Geschäftsaufgabe» steht auf dem Aufkleber an der Tür eines Geschäfts in einer Innenstadt | dpa

Corona-Hilfsprogramme Unternehmen verschmähen die "Bazooka"

Stand: 14.10.2021 15:29 Uhr

Mit beispiellosen Milliardenhilfen wollten Finanzminister Scholz und Wirtschaftsminister Altmaier Firmen in der Corona-Krise retten. Eineinhalb Jahre später zeigt sich, dass die meisten Hilfen gar nicht abgerufen wurden.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz wählte martialische Worte, als er im März 2020 zusammen mit Wirtschaftminister Peter Altmaier die Corona-Hilfen der Bundesregierung vorstellte. "Das ist die Bazooka, mit der wir das Notwendige jetzt tun", sagte er damals mit Blick auf die zahlreichen Rettungsprogramme im Volumen von insgesamt einer Billion Euro. Allein der Wirtschaftsstabiliserungsfonds (WSF) wurde mit gigantischen 600 Milliarden Euro gefüllt. Allerdings ist die "Bazooka" bislang mit deutlich weniger Schlagkraft zum Einsatz gekommen als gedacht. Jedenfalls liegt das Volumen der ausgezahlten Hilfen weit unter den Erwartungen.

Den neuesten Angaben des Altmaier-Ministeriums zufolge sind seit Beginn der Corona-Krise knapp 123 Milliarden Euro (Stand 12.10.2021) an Hilfen für die Wirtschaft bewilligt worden; hinzu kommt das Kurzarbeitergeld im Umfang von rund 40 Milliarden Euro. Das ist zwar viel Geld - doch gemessen am Gesamtumfang der bereit bestehenden Hilfsprogramme von 1000 Milliarden handelt es sich gerade einmal um 12,3 Prozent.

Besser durch die Krise als befürchtet

Dabei wartet allein im Bundeswirtschaftsministerium weiterhin eine Fülle von Hilfsprogrammen aus Krediten der Förderbank KfW, den Überbrückungshilfen, Neustarthilfen, dem WSF, Bürgschaftsprogrammen und diversen Garantien. Stand heute wurden nach Angaben des Ministeriums rund 21,4 Milliarden Euro Überbrückungshilfe III und rund 1,46 Mrd. Euro Neustarthilfe ausgezahlt. Damit wollte die Bundesregierung Firmen helfen, die seit Ende 2020 unter Umsatzausfällen gelitten haben. Dennoch scheuten viele Unternehmen, auch aus den besonders gebeutelten Branchen wie den Reiseveranstaltern, Kinobetreibern und Friseursalons, davor zurück, Hilfen zu beantragen.

Auch die für diesen November und Dezember ausgezahlten Gelder nehmen sich mit 13,7 Milliarden Euro vergleichsweise bescheiden aus. Experten zufolge sind es aber nicht bürokratische Hürden, die die Unternehmen abschrecken. Vielmehr ist ein Großteil der Betriebe besser durch die Krise gekommen als anfangs befürchtet. So ist etwa die befürchtete Insolvenzwelle bis heute ausgeblieben.

Hohe Eigenkapitalquote

Tatsächlich ist die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr mit knapp fünf Prozent weniger heftig eingebrochen als die anderen EU-Staaten. Im Durchschnitt schrumpfte die Wirtschaftsleistung der Eurozone 2020 um 6,3 Prozent. Für Entspannung sorgte auch die Lage der Banken und Sparkassen: Sie waren diesmal, im Gegensatz zur Finanzkrise 2008, nicht Teil des Problems, sondern verfügten über ausreichend Kapital, um selbst Hilfskredite zu gewähren.

Zudem hat sich auch die Eigenkapitalquote der deutschen Unternehmen seit ihrem Tiefstand in der Finanzkrise kontinuierlich verbessert. Bis Ende 2019 kletterte sie nach Angaben des ifo-Instituts auf 45 Prozent. Somit verfügten viele Unternehmen bei Ausbruch der Corona-Krise über ausreichend Reserven, die es ihnen erlaubten, ohne staatliche Hilfen über die Runden zu kommen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. Mai 2021 um 06:39 Uhr in der Sendung "Wirtschaft und Börse".

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