Monteurin arbeitet beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen | dpa

Höchster Wert seit 21 Jahren Hochstimmung bei Firmen der Eurozone

Stand: 29.06.2021 14:41 Uhr

Die Wirtschaft in der Eurozone kommt mit Schwung aus der Krise. Der von der EU-Kommission erhobene Indikator ESI, der die Stimmung in Unternehmen widerspiegelt, stieg auf den höchsten Stand seit 21 Jahren.

Die Stimmung in den Unternehmen des Euro-Raums ist ungeachtet der Unsicherheiten infolge der sich ausbreitenden Delta-Variante so gut wie seit Jahren nicht mehr. Der von der EU-Kommission monatlich veröffentlichte Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg gegenüber dem Vormonat um 3,4 Punkte auf 117,9 Zähler. Damit liegt der Indikator bereits deutlich über dem Niveau zu Beginn der Corona-Krise und erreichte den höchsten Stand seit dem Jahr 2000.

Viel Zuversicht bei Dienstleistern und im Einzelhandel

Der aktuelle Wert überraschte Analysten, die im Schnitt nur einen deutlich geringeren Zuwachs erwartet hatten. Der ESI-Anstieg im Juni war das fünfte Plus in Serie. Die Stimmung hellte sich dabei im laufenden Monaten in allen untersuchten Bereichen auf. Besonders stark verbesserten sich die Indikatoren in den von den Corona-Beschränkungen hart getroffenen Sektoren der Dienstleister und des Einzelhandels.

Der ESI ist ein zusammengesetzter Indikator, der Antworten von Unternehmen in fünf Sektoren zusammenfasst und gewichtet. Diese Bereiche sind Industrie, Dienstleistungen, Verbraucher, Einzelhandel und Baugewerbe. Werte über 100 beim Gesamtindex deuten auf eine überdurchschnittliche wirtschaftliche Einschätzung bei den befragten Unternehmen hin.

Industrie kommt in Deutschland in Schwung

Für die Eurozone insgesamt, aber auch in den einzelnen Ländern stieg die Stimmung in der großen Mehrzahl der betrachteten Wirtschaftsbereiche. Der Wert für den Industriesektor verbesserte sich etwa binnen eines Monats von 11,5 auf 12,7 Punkte. Im Dienstleistungssektor ging es von 11,3 auf 17,9 Punkte aufwärts. Im Einzelhandel stieg der Wert von 0,5 auf 4,5 Punkte.

In Deutschland wurden die Spitzenwerte ebenfalls in der Industrie (Zuwachs von 18,6 auf 21,4 Punkte) und im Dienstleistungssektor (von 12,8 auf 23,8 Punkte) erreicht. Im negativen Bereich lag hier allerdings der Einzelhandelssektor, der sich aber von minus 6,5 auf minus 4,5 Punkte verbesserte. Hier waren noch die Folgen der Lockdown-Maßnahmen mit vielen Geschäftsschließungen zu spüren.

Lieferengpässe noch spürbar

Bei der Juni-Befragung sei die Verbesserung insgesamt "auf breiter Basis" erfolgt, kommentierte Claus Vistesen, Chefvolkswirt für die Eurozone beim Analysehaus Pantheon Macroeconomics. Die Umfrageergebnisse bestätigten aber auch, dass die Unternehmen immer noch mit Lieferengpässen zu kämpfen haben. Er verwies auf die Produktionserwartungen der Industriebetriebe. Diese seien gesunken, obwohl der Auftragseingang zuletzt gestiegen sei.

Die Erhebung der EU-Kommission bestätigt Umfragen, die etwa zuletzt bei den für den Einkauf verantwortlichen Managern in Unternehmen regelmäßig durchgeführt werden. In der vergangenen Woche hatte der entsprechende Index des Marktforschungsunternehmens IHS Markit ebenfalls den höchsten Wert seit 15 Jahren erreicht. Im Juni war der Indexwert für die Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone auf 59,2 Punkte gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Juni 2021 um 13:38 Uhr.