Container stehen im Hamburger Hafen | dpa

Klarer Anstieg im April Exporte erholen sich vom Kriegsschock

Stand: 03.06.2022 11:27 Uhr

Die Geschäfte mit den USA und den europäischen Ländern laufen glänzend. Deshalb sind die deutschen Exporte im April überraschend stark gestiegen. Der Handel mit Russland brach aber weiter ein.

Die deutschen Exporte haben sich im April vom Schock nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine überraschend stark erholt. Sie wuchsen wegen gut laufender Geschäfte mit den USA und den Euro-Ländern im Vormonatsvergleich um 4,4 Prozent auf 126,4 Milliarden Euro, wie teilte das Statistische Bundesamt mitteilte. Experten hatten einen derart schwungvollen Anstieg nicht erwartet. Die Importe legten mit 3,1 Prozent ebenfalls weitaus stärker zu als erwartet, nach einem Plus von 3,2 Prozent im Vormonat.

Die Sanktionen wirken

Die Ausfuhren nach Russland gingen aber erneut um zehn Prozent auf 0,8 Milliarden Euro zurück, nachdem sie wegen des Ukraine-Kriegs im März schon um 60 Prozent eingebrochen waren. Die Importe aus Russland gaben diesmal um 16,4 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro nach. Deutschland importiert von dort vor allem Öl und Erdgas. "Die Sanktionen schlagen sich also in harten Zahlen wieder", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Probleme mit China

Die deutschen Ausfuhren in die EU-Mitgliedstaaten legten im April um 4,2 Prozent zu, die in die Euro-Länder sogar um 5,9 Prozent. Die Exporte zum wichtigsten Kunden USA nahmen um 7,7 Prozent zu, während die nach China um 4,5 Prozent fielen. Die Volksrepublik kämpft derzeit mit rigiden Maßnahmen gegen eine neue Corona-Welle, was auch den globalen Handel behindert.

"Für die nächsten Monate wird es darauf ankommen, dass die Exporte nicht stärker in den Würgegriff stockender Lieferketten geraten", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger mit Blick auf China, den wichtigsten Lieferanten der deutschen Wirtschaft.

"Keine Trendwende"

Für Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef, ist das Exportplus im April allerdings keine Trendwende: "Es geht allein auf Preissteigerungen bei den Ausfuhren zurück. Angesichts eines Preisanstiegs von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Exporte real sogar gesunken". Der Exportmotor knirsche gewaltig, meint der Experte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet dieses Jahr mit einer Stagnation beim Export.

Andererseits hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren einer Umfrage des Ifo-Instituts zufolge im Mai bereits den zweiten Monat in Folge aufgehellt. Gleichwohl sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest: "Die deutsche Industrie bleibt aber vorsichtig". "Logistikprobleme stellen weiterhin eine große Belastung dar." Eine große Dynamik bei den Ausfuhren zeichne sich daher im Moment nicht ab.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juni 2022 um 12:00 Uhr.