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Kleinstes Plus seit 2016 Corona bremst Tarifverdienste

Stand: 01.03.2021 10:26 Uhr

Die Verdienste der Beschäftigten mit Tarifvertrag sind im abgelaufenen Jahr langsamer als in den Vorjahren gestiegen. Besonders schwach war das Plus beim Verarbeitenden Gewerbe.      

Wegen der Corona-Krise sind die Tarifverdienste im vergangenen Jahr weniger gestiegen als im Jahr 2019. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Schnitt betrug das Plus 2,1 Prozent. 2019 hatten sich die Verdienste noch um 3,2 Prozent erhöht. "Dabei handelt es sich um den geringsten Anstieg der Tarifverdienste seit dem Jahr 2016", heißt es in einer Mitteilung. Insgesamt unterliegen 45 Prozent der Beschäftigten nach Angaben des Bundesamts der Tarifbindung.    

Die Inflationsrate betrug 2020 im Jahresschnitt 0,5 Prozent. Also kam den Beschäftigten trotzdem ein reales Lohnplus zugute. Im Jahr 2019 lag die Inflation im Schnitt bei 1,4 Prozent.

Chart zur Inflationsrate in Deutschland Februar 2020 bis Januar 2021

Schlechtes Jahr für das Verarbeitende Gewerbe

Innerhalb der einzelnen Branchen gibt es beachtliche Unterschiede. Unterdurchschnittlich legten die Tarifverdienste einschließlich Sonderzahlungen im Verarbeitenden Gewerbe mit 0,7 Prozent zu. Unter Sonderzahlungen werden beispielsweise Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld verstanden.

"Dies ist vorrangig darauf zurückzuführen, dass für die Metall- und Elektroindustrie für das Jahr 2020 wegen der Corona-Krise keine prozentuale Tariferhöhung vereinbart wurde", hieß es. Mit Blick auf die Inflationsrate haben die Löhne also praktisch stagniert. Nur unwesentlich besser lief es beim Produzierenden Gewerbe mit einem Plus von 0,9 Prozent.

Im Baugewerbe gab es ein Plus von 1,0 Prozent. Hier wurde vereinbart, dass die Tariferhöhungen erst in diesem Jahr in Kraft treten. Auch im Gastgewerbe fiel das Plus mit 1,5 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Öffentlicher Dienst im Vorteil

Am deutlichsten fiel der Anstieg in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei mit 3,6 Prozent aus. "Überdurchschnittlich stiegen die Tarifverdienste vor allem in den Bereichen, die durch den öffentlichen Dienst geprägt sind", so die Statistiker. Hier wirkten sich neben den regulären Tariferhöhungen auch die im vierten Quartal gezahlten Corona-Prämien aus.

Im Bildungssektor (Erziehung und Unterricht) gab es ein Plus von drei Prozent, in der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung wuchs der Lohn um 2,9 Prozent. Im Gesundheits- und Sozialwesen, das in der Corona-Pandemie besonders im Fokus steht, verdienten die Tarifbeschäftigten im Vergleich zum Vorjahr 2,5 Prozent mehr.