Fertigung einer Turbine bei MAN | dpa

Tariflöhne im dritten Quartal Erhöhungen meist unterhalb der Inflation

Stand: 30.11.2021 10:27 Uhr

Trotz heftig steigender Inflation: Die Tarifbeschäftigen haben im dritten Quartal nur bescheidene Lohnzuwächse erhalten. Damit können viele Arbeitnehmer die höheren Verbraucherpreise nicht ausgleichen.

Trotz stark steigender Preise in Deutschland sind die Tarifabschlüsse zuletzt bescheiden geblieben. Für die Millionen Tarifbeschäftigten gab es im dritten Quartal nur kleine Aufschläge beim Gehalt - zu wenig, um der stark steigenden Teuerung Paroli zu bieten.

Nur 0,9 Prozent Plus

Laut dem Statistischen Bundesamt legten die Tariflöhne und -gehälter in den Sommermonaten Juli bis September um durchschnittlich 0,9 Prozent zum Vorjahresquartal zu. In der Statistik enthalten tarifliche Grundvergütungen und Sonderzahlungen, die per Tarifabschluss vereinbart wurden. Auch Einmalzahlungen oder Jahressonderzahlungen werden dabei erfasst.

Die Verdienste der Millionen Tarifbeschäftigten in Deutschland sind damit im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr so langsam wie noch nie gestiegen. Da die Verbraucherpreise in den Sommermonaten gleichzeitig um 3,9 Prozent zulegten, schrumpfte die Kaufkraft der Beschäftigten. In den Vorjahren war allerdings ein realer Anstieg der Tarifeinkommen die Regel, die in den Tarifverträgen ausgehandelten Löhne und Gehälter lagen also oberhalb der Teuerungsrate.

Handel und Dienstleistungen mit schwachen Steigerungen

Die Statistiker haben vor allem im Handel unterdurchschnittliche Tarifsteigerungen beobachtet. Auch bei vielen Dienstleistungen lagen die Abschlüsse unter dem Durchschnitt. Durch einen Sondereffekt sind die Tarifverdienste im Verarbeitenden Gewerbe im dritten Quartal sogar um 0,9 Prozent gefallen: In der Metall- und Elektroindustrie wurde ein Jahr zuvor eine Pauschalzahlung geleistet, die diesmal erst für das laufende vierte Quartal vorgesehen ist. Dagegen konnten die Beschäftigten im Baugewerbe und in der Energieversorgung höhere Steigerungen aushandeln. Die Kurzarbeit, die in vielen Branchen coronabedingt eingeführt wurde, hat keinen Einfluss auf die Statistik.

Viele Experten blicken mit besonderem Interesse auf die aktuellen Lohnabschlüsse. Denn durch die deutlich steigenden Teuerungsraten könnte eine Spirale aus stark steigenden Verbraucherpreisen und Löhnen in Gang kommen. Damit wiederum könnte sich eine dauerhaft höhere Inflation verstetigen. Im November hatten sich Waren und Dienstleistungen in Deutschland um 5,2 Prozent zum Vorjahresmonat verteuert. Das ist die höchste Teuerungsrate seit fast 30 Jahren.

Kommt die Lohn-Preis-Spirale?

Die Volkswirte und Notenbanker sind derzeit noch uneins darüber, ob die Inflation bald wieder in Richtung zwei Prozent zurückfällt, dies ist der Zielkorridor etwa für die Europäische Zentralbank (EZB). EZB-Direktoriumsmitglied Elisabeth Schnabel erwartet etwa, dass im November der Höhepunkt der Inflation erreicht wurde und die Teuerung im kommenden Jahr wieder allmählich zurückgehen wird. Top-Banker und Ökonomen widersprechen: "Diese Inflation wird länger anhalten, und die Inflationsraten werden höher bleiben als viele denken", sagte etwa Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing auf dem Frankfurter Banken-Kongress. Für die Tarifbeschäftigen hängt von der weiteren Entwicklung ab, ob ihnen am Monatsende auch im kommenden Jahr weniger "real" im Geldbeutel bleibt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. November 2021 um 10:00 Uhr.