Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler | dpa

Energieverbrauch in Deutschland Deutlich mehr Kohle-Emissionen

Stand: 03.08.2021 12:30 Uhr

Deutschland verbraucht wieder mehr Energie. Angesichts eines relativ kalten Winters und einer Flaute bei der Windenergie ist dabei der Kohle- und Erdgasverbrauch kräftig gestiegen.

Der Energieverbrauch in Deutschland ist nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) ist im ersten Halbjahr deutlich gestiegen - um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Grund war neben der Wirtschaftserholung nach den Corona-Lockdowns ein relativ kalter Winter.

Während der Anteil der Windenergie zurückfiel, erlebten Kohle und Erdgas eine Renaissance. Weil mehr Strom mit Braun- und Steinkohle produziert wurde als im Vorjahreszeitraum, erhöhten sich die Emissionen des klimaschädlichen Kohlendioxids den Berechnungen zufolge um 6,2 Prozent. Der Verbrauch von Braunkohle stieg in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um rund ein Drittel, der von Steinkohle um fast 23 Prozent.

Erdgas auf dem ersten Platz

Im gesamten deutschen Energiemix übernahm Erdgas im ersten Halbjahr mit einem Anteil von 30,6 Prozent erstmals die Führungsposition. Absolut betrachtet wurden 16 Prozent mehr Erdgas verbraucht.

Schon seit Jahrzehnten gibt es Trend hin zu Erdgasheizungen und weg vom Heizöl. Die Verbrennung von Erdgas gilt als weniger schädlich für das Klima als die von Heizöl.

Auch deshalb fiel der Anteil des Mineralöls mit 28,6 Prozent auf Platz zwei und lag damit erstmals unter der Marke von 30 Prozent. Der Verbrauch von Mineralöl ging um zwölf Prozent zurück. Besonders stark war das Minus bei Kerosin für den Luftverkehr mit 20 Prozent.

20 Prozent weniger Windstrom

Die erneuerbaren Energien belegen mit einem Anteil von 16,8 Prozent Platz drei, nach 17,7 Prozent im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Wegen schwacher Windverhältnisse wurde 20 Prozent weniger Windstrom erzeugt. Zudem stockt der Ausbau der Windenergie seit einiger Zeit massiv. Die fehlenden Ökostrommengen führten zu einem Anstieg der fossilen Brennstoffe bei der Stromerzeugung.

Die Anteile der Braun- und Steinkohle am Gesamtverbrauch erhöhten sich leicht auf zusammen 16,6 Prozent. Im weiteren Verlauf des Jahres könnten es aber zu Verschiebungen kommen, betonten die Energiestatistiker.

Weniger Energieverbrauch als 2019

Immerhin gibt es auch positive Nachrichten. Ohne das kalte Wetter hätte sich der Energieverbrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum nach den Berechnungen der Experten nur um knapp zwei Prozent erhöht. Der Vergleich zum Jahr 2019 fällt noch positiver aus: Bereinigt um Temperaturveränderungen wurde in dem gerade abgelaufenen ersten Halbjahr trotz des Anstiegs sieben Prozent weniger Energie verbraucht.

Die Berechnungen der AGEB beziehen sich auf den gesamten Energieverbrauch in Deutschland, also Strom plus Heizen, Verkehr und so weiter. Selbst wenn Deutschland bei der Stromerzeugung 100 Prozent erneuerbare Energien erreichen sollte: Solange beispielsweise Autos mit Verbrennungsmotoren Benzin und Diesel verbrauchen, ist die Klimaneutralität zumindest ohne Ausgleichsmaßnahmen nicht erreichbar.