Münzen im Wert von fünf Euro über ein rotes Portemonnaie gehalten. | picture alliance / Friso Gentsch

Arbeitsmarkt Inflation lässt höhere Löhne verpuffen

Stand: 21.12.2021 10:36 Uhr

Die hohe Inflation hat die Lohnsteigerungen im dritten Quartal vollständig aufgezehrt. Die Europäische Zentralbank rechnet damit, dass die Teuerung länger anhält als zunächst erwartet.

Die Steigerungen der Bruttolöhne sind im dritten Quartal dieses Jahres vollständig von der hohen Inflation aufgezehrt worden. Zwar stiegen die monatlichen Bruttoeinkommen um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Allerdings legten die Verbraucherpreise in gleicher Höhe zu: "Demnach gab es auch keine Reallohnsteigerung gegenüber dem Vorjahr", sagte Susanna Geisler, Referentin der Verdienststatistik im Statistischen Bundesamt.

"Inflation nicht so vorübergehend"

Diese Preissteigerungen dürften nach Ansicht der Europäischen Zentralbank auch noch länger anhalten: "Unsere Inflation ist hartnäckiger und - sagen wir mal - nicht so vorübergehend wie wir erwartet hatten", sagte EZB-Vizechef Luis de Guindos gestern.

Sie dürfte im kommenden Jahr bei über drei Prozent verharren und erst gegen Ende des Jahres unter das langfristige Ziel von zwei Prozent fallen, so de Guindos. Die Vorhersagen seien jedoch mit großer Unsicherheit behaftet, unter anderem wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie. Darum will die EZB zunächst auch nichts an ihrer Politik des billigen Geldes ändern.

Löhne teilweise wieder auf Vorkrisenniveau

Die Pandemie-Lage bestimmt auch die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Erstmals seit Februar waren im November zwar wieder mehr Menschen in Kurzarbeit, allerdings sank die Zahl der Kurzarbeiter im Vergleich zum Vorjahr. Dadurch normalisierte sich insgesamt auch die Wochenarbeitszeit, und in der Folge stiegen die Bruttoverdienste. Das liegt vor allem daran, dass das Kurzarbeitergeld nicht zum Bruttoverdienst zählt.

Die Auswirkungen der Pandemie hatten die Löhne im vergangen Jahr um 0,7 Prozent sinken lassen. Zuletzt erholten sich vor allem die Branchen, die von Lockdown-Maßnahmen besonders betroffen waren: In der Gastronomie und in Reisebüros haben die Bruttolöhne bereits wieder Vorkrisenniveau erreicht. In der Luftfahrt und in der Hotelbranche liegen sie hingegen trotz starker Zuwächse noch unter den Zahlen aus 2019.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Dezember 2021 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.