Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler für das Land Niedersachsen. | dpa

Historischer Höchststand Fast 2,2 Billionen Euro Staatsschulden

Stand: 22.12.2020 10:32 Uhr

Die öffentlichen Schulden in Deutschland sind wegen der enormen Corona-Kosten auf Rekordniveau angewachsen. Besonders betroffen ist der Bundeshaushalt. Auch in allen Ländern stieg die Verschuldung.

Wegen der Ausgaben und Hilfspakete in der Coronakrise sind die öffentlichen Schulden im dritten Quartal auf einen neuen Höchststand gestiegen. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte seien Ende September mit fast 2,2 Billionen Euro verschuldet gewesen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Das sind 15,6 Prozent oder 296,4 Milliarden Euro mehr als zum Jahresende 2019.

"Der Anstieg ist im Wesentlichen in der Aufnahme finanzieller Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise begründet", erklärten die Statistiker. Bereits zum Ende des zweiten Quartals war der höchste jemals ermittelte Schuldenstand erreicht worden. Nun nahm er erneut um mehr als vier Prozent (85,9 Milliarden Euro) zu.

Bund besonders betroffen

Eine ähnlich hohe Verschuldung hatte es zuletzt Ende 2012 gegeben. Seitdem waren die Verbindlichkeiten jedes Jahr gesunken, ehe in diesem Frühjahr wegen Corona wieder ein erster Anstieg verzeichnet wurde.

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren Ende September alle Ebenen stärker verschuldet als zum Jahresende 2019. Am stärksten erhöhte sich in diesem Zeitraum die Verschuldung des Bundes: Sie nahm um 20,3 Prozent oder 241,5 Milliarden Euro auf 1430,1 Milliarden Euro zu. "Besonders stark stiegen dabei die Wertpapierschulden, und zwar um 207,4 Milliarden Euro", so das statistische Bundesamt.

Neuverschuldung in allen Ländern

Die Länder waren mit 631,1 Milliarden Euro verschuldet, dies entspricht einem Anstieg um 9,1 Prozent beziehungsweise 52,4 Milliarden Euro. "Die Verschuldung ist in allen Ländern angestiegen", so das Statistikamt.

Prozentual nahm sie in Sachsen am stärksten zu, wo sich der Schuldenstand ausgehend von einem niedrigen Niveau auf das 2,7-Fache erhöhte, gefolgt von Bayern (plus 26,5 Prozent) und Bremen (plus 20,8 Prozent). Die Länder mit den höchsten absoluten Zuwächsen waren Nordrhein-Westfalen (plus 16,4 Milliarden Euro), Bremen (plus 6,3 Milliarden Euro) und Niedersachsen (plus 5,0 Milliarden Euro).

Krise könnte Haushalte über Jahrzehnte belasten

Die Corona-Pandemie hat die jahrelange Konsolidierung der Länderfinanzen zunichte gemacht. Anstelle des ursprünglich im Rahmen der Schuldenbremse geplanten Verzichts auf jegliche neuen Kredite haben die 16 Länderparlamente allein für 2020 eine mögliche Neuverschuldung von bis zu 128 Milliarden Euro genehmigt - wobei mehrere Länder die Schuldenaufnahme über mehrere Jahre strecken wollen.

Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Die zwei bevölkerungsreichsten Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen haben allein bis zu 65 Milliarden Euro an neuen Schulden aufgenommen. Das ist mehr als die übrigen 14 Länder zusammen. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den 16 Länderfinanzministerien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Dezember 2020 um 12:08 Uhr.