Ölfeld

Teuerung zieht an Rohstoffpreise schüren Inflationsängste

Stand: 23.02.2021 13:23 Uhr

Obst, Fleisch oder Benzin sind zuletzt deutlich teurer geworden und der allgemeinen Teuerungsrate davongeeilt. Auch die Preise für Kupfer oder Aluminium sind stark gestiegen. Droht nun ein Inflationsschub?

Rohstoffe wie Erdöl, Kupfer, Stahl und Aluminium wecken wieder Begehrlichkeiten. Die damit verbundene Preisrally schürt Inflationsängste. Zu Recht? Tatsächlich sind nach Monaten sinkender Preise die Lebenshaltungskosten im Euroraum zu Jahresbeginn wieder gestiegen. Im Januar zog die Teuerung im Jahresvergleich um 0,9 Prozent an, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte und damit eine erste Schätzung bestätigte.

Im Dezember und in den drei Monaten zuvor waren die Lebenshaltungskosten noch um jeweils 0,3 Prozent gesunken. Dabei machte sich die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung in Deutschland sowie der Anstieg der CO2-Steuer bemerkbar. So waren es vor allem die Energiepreise, die hinter dem Teuerungsschub standen.

Ölpreise auf höchstem Stand seit einem Jahr

Auch heute haben die Ölpreise weiter zugelegt und die höchsten Stände seit gut einem Jahr erreicht. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 65,30 Dollar. Das waren 94 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 86 Cent auf 62,56 Dollar.

In der Nacht auf Dienstag waren der Brent-Preis bis auf 65,81 Dollar gestiegen und der WTI-Preis bis auf knapp 63 Dollar. Das waren jeweils die höchsten Stände seit Anfang 2020. Die Erdölpreise steigen mit der Hoffnung auf ein Abflauen der Corona-Pandemie infolge zunehmender Impfungen. Dies würde der Konjunktur und der Ölnachfrage zugute kommen.

Rohstoffpreise seit Jahresbeginn um zwölf Prozent gestiegen

Auch andere, besonders metallische Rohstoffe, sind zuletzt viel teurer geworden. So sprangen die Aluminiumpreise im Vergleich zu ihrem Tief im Frühjahr letzten Jahres um rund 50 Prozent in die Höhe. Für eine Tonne Primäraluminium müssen inzwischen 2166 Dollar gezahlt werden, nach 1461 Dollar Mitte Mai 2020. Ähnlich ist die Entwicklung bei Kupfer. Für eine Tonne dieses Metalls müssen derzeit fast 45 Prozent mehr gezahlt werden als vor einem Jahr.

Entwicklung der Rohstoffpreise

Die Rohstoffpreise sind seit Jahresbeginn um rund 12 Prozent gestiegen.

Stahl hat sich in den letzten Monaten ebenfalls kräftig verteuert. Allein im Januar sind die Preise für eine Tonne warmgewalzte Stahlbänder um rund elf Prozent auf im Schnitt 690 Euro gestiegen. Auch die übrigen Stahl- sowie Schrottpreise zogen kräftig an.

Laut dem Bloomberg Commodity Index, in dem 20 Rohstoff-Futures enthalten sind, kletterten die Weltrohstoffpreise auf Dollarbasis seit Jahresbeginn um knapp zwölf Prozent. Infolge der Seitwärtsbewegung des Euro zum Dollar fiel Anstieg in Inlandswährung nahezu identisch aus. Damit hat sich der bereits im Dezember verzeichnete Preissprung weiter fortgesetzt.

Temporäre Knappheit

Für Experten wie Heinz-Jürgen Büchner, Volkswirt bei der Industriekreditbank (IKB) liegt die Ursache der Rally in der temporären Knappheit vieler Rohstoffe. So sei etwa die globale Kupferproduktion bis Ende Oktober 2020 um 0,5 Prozent gesunken, während der Kupferverbrauch um zwei Prozent anzog. Infolgedessen entstand ein Angebotsdefizit von 482.000 Tonnen.

Ähnlich verhält es sich auf dem Ölmarkt. Dort halten große Förderländer wie Saudi-Arabien die Produktion knapp. Hinzu kam jüngst das extrem kalte Winterwetter in den USA, das erhebliche Störungen und Engpässe im amerikanischen Energie- und Ölsektor hervorgerufen hat.

Parallel dazu haben viele Volkswirtschaften in Asien, allen voran China, die Corona-Delle überwunden und laufen wieder auf Hochtouren. Auch die USA und zahlreiche Schwellenländer sind bereits wieder im Wachstumsmodus. Das stimuliert die Nachfrage, trifft aber auf eine zurückgefahrene Rohstoffförderung und Engpässe in der Logistik.

Inflationsrate über zwei Prozent?

Es ist also nur eine Frage der Zeit, bevor auch die Verbraucher die steigenden Rohstoffpreise zu spüren bekommen. "Die Marktteilnehmer sollten nicht überrascht sein, wenn die monatliche Inflationsrate im Jahresverlauf 2021 temporär die Marke von zwei Prozent überschreitet", sagt Alexander Buhrow, Volkswirt der DZ Bank.

Der Anstieg der Ölpreise sorge schon rein technisch dafür, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr deutlich steigen werden, so Buhrow. "Schon im Frühjahr dürfte sich Energie um zehn bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr verteuern." Mit einem Gewicht von knapp zehn Prozent am gesamten Warenkorb würden die Energiepreise zwischenzeitlich die monatliche Inflationsrate um einen Prozentpunkt oder mehr anschieben, so der Ökonom.

"Preisauftrieb nur von kurzer Dauer"

Allerdings werde der Schub nur von kurzer Dauer sein. "Eine erhöhte Arbeitslosigkeit und ungenutzte Kapazitäten im Euroraum verhindern bis Ende 2022 ein dauerhaftes Überschießen der Inflationsrate." Und Buhrow weiter: "Unter der Annahme, dass der Rohölpreis im Jahr 2022 bei 63 US-Dollar bleibt, wird im kommenden Jahr der preistreibende Effekt der Energiepreise schrittweise auslaufen und den Anstieg der Verbraucherpreise wieder bremsen." Vor diesem Hintergrund erwartet die DZ Bank in diesem Jahr eine Inflationsrate 2021 von 1,6 Prozent und im kommenden Jahr von 1,3 Prozent.

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sieht keine Gefahr eines Inflationsschubs. "Seit dem Tief im Frühjahr haben sich die Preise von Industrierohstoffen fast verdoppelt. Aber das dürfte nicht der Start eines Superzyklus sein", sagte er dem "Handelsblatt". Vielmehr übersteige die Produktion in vielen Bereichen bereits die Nachfrage. Das Angebot werde wieder hochgefahren, so dass es auch hier zu einer Ausbalancierung komme. Zudem sei ein Teil der derzeitigen Rohstoffrally von spekulativen Finanzinvestoren getrieben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Februar 2021 um 12:00 Uhr.