Zapfsäule an einer Tankstelle | dpa

Profiteure der hohen Benzinpreise Kasse machen mit teurem Sprit

Stand: 18.03.2022 14:49 Uhr

Der Krieg gegen die Ukraine hat die Spritpreise in die Höhe getrieben. Experten zufolge kann Rohölmangel das aktuelle Niveau kaum erklären. Offenbar wollen Mineralölkonzerne ihre Gewinne absichern.

Von Jens Eberl, WDR

Ein Drittel des Rohöls in Deutschland stammt normalerweise aus Russland. Zudem kommen fast 15 Prozent des in Deutschland vertankten Diesels aus russischen Raffinerien. Damit hat der Krieg starke Auswirkungen auf den Dieselpreis in Deutschland. Doch der Spritpreis enthält noch andere Bestandteile. Der ADAC hat das aufgeschlüsselt. "Einen großen Anteil machen beim aktuellen Benzinpreis und Dieselpreis die Steuern aus. Je Liter Benzin werden festgeschriebene 65,4 Cent Energiesteuer, früher Mineralölsteuer, fällig. Für Diesel liegt die Energiesteuer bei 47,0 Cent pro Liter. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer mit 19 Prozent", so ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh.

Jens Eberl

Dollarkurs als weiterer Faktor

Eine weitere Komponente: der Produkteinstandspreis, der Preis der importierten Ware, dessen Höhe von der aktuellen Lage auf den Ölmärkten abhängt. Den Rest bezeichne man als Deckungsbeitrag. "Darin enthalten sind zum Beispiel die Kosten für Transport, Lagerhaltung, Verwaltung, Vertrieb und Weiterverarbeitung bis zur Zapfsäule sowie die CO2-Abgabe und der Gewinn der Mineralölkonzerne", so van Randenborgh.

Neben den Steuern werden die Kraftstoffpreise vom Markt beeinflusst. Der globale Rohstoffhandel bewegt sich abhängig von Konjunktur, politischer Lage oder Jahreszeit. Auch Währungsschwankungen zum Dollar haben erhebliche Auswirkungen: Öl wird weltweit fast ausschließlich in der US-amerikanischen Währung gehandelt. Steigt also der Dollarkurs im Verhältnis zum Euro, steigen meistens auch die Spritpreise.

Und schließlich gibt es noch den Wettbewerb zwischen den Tankstellenbetreibern. Hier haben dann auch die Verbraucher einen Einfluss, indem sie sich für den günstigsten Anbieter entscheiden.

Preise steigen schneller als sie fallen

Die Haupttreiber der Preise in der aktuellen Situation sind derzeit die sehr stark schwankenden Ölpreise. "Spekulation spielt derzeit sicherlich eine große Rolle, da das Angebot an Öl nicht knapp ist, im Gegenteil es wurden ja sogar noch Reserven auf den Markt geworfen. Der Ölpreis ist in jüngster Zeit ja auch wieder gefallen, was bedeutet, dass eigentlich auch die Spritpreise sinken müssten", sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Dass sie das derzeit aber nur sehr langsam tun, liegt an einem Phänomen, das sich "Rockets and Feathers" nennt: Preissteigernde Faktoren werden meist überproportional auf den Spritpreis draufgeschlagen, bei sinkenden Ölpreisen aber sinken die Spritpreise nicht im gleichen Ausmaß. Nachdem die Ölpreise anziehen, steigen die Spritpreise wie eine Rakete; aber umgekehrt, wenn die Ölpreise sinken, dann fallen sie wie eine Feder. "Das hat damit zu tun, dass bei steigenden Ölpreisen die Unternehmen ihre Gewinnmarge schützen wollen und deshalb sofort darauf reagieren. Hingegen bei Preisen, die sinken, nehmen sich die Firmen Zeit", so Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Sollten "Kriegsgewinne" besteuert werden?

Bei den Ölpreisen gebe es große politische Effekte. Bei großer Ungewissheit sei oft ein schneller Preissprung die Folge, der sich dann aber wieder korrigiere. "Wenn man merkt, es gibt wieder bestimmte Perspektiven, dann sehen Sie die Korrektur auch an den sensiblen Rohstoffmärkten. Irgendwann kommt das dann auch wieder beim Verbraucher an, aber das ist ein längerer Weg, das ist nicht symmetrisch ", so Hüther.

Da die Gewinnmargen so hoch seien, geht DIW-Energieexpertin Kemfert davon aus, dass die Ölkonzerne derzeit am meisten von der Entwicklung profitieren: "Daher sollte man überprüfen, derartige Kriegsgewinne zu besteuern, vermutlich kann auch eine Finanztransaktionssteuer helfen." Von einer Spritpreis-Bremse über eine Senkung der Mehrwertsteuer hält sie nicht viel. "Das ist nicht nur teuer, sondern auch keine Garantie für automatisch sinkende Spritpreise, da oftmals die Margen einfach nur erhöht werden. Statt einer Erhöhung der Pendlerpauschale wäre ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld sinnvoll, das insbesondere Menschen mit niedrigen Einkommen hilft", so Kemfert. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. März 2022 um 17:00 Uhr.