Chempark Gelände des Bayer Konzerns. | picture alliance/dpa

Deutsche Unternehmen Kommt das Schlimmste erst noch?

Stand: 02.11.2022 15:17 Uhr

Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg haben die deutsche Wirtschaft bislang 420 Milliarden Euro gekostet. Doch eine Besserung scheint auch 2023 nicht in Sicht - im Gegenteil.

Die deutschen Firmen rechnen fest mit einer Rezession und stellen sich auf ein wirtschaftlich düsteres Jahr 2023 ein. "Die Unternehmen befürchten, dass das Schlimmste noch kommt", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben zu einer Konjunkturumfrage unter mehr als 24.000 Betrieben.

Die hohen Energie- und Rohstoffpreise gelten als Hauptrisiko. Aber auch die Sorge vor steigenden Arbeitskosten bei einer Preis-Lohn-Spirale im Zuge der ausufernden Inflation treibt die Unternehmen um.

Unternehmen so pessimistisch wie noch nie

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet für 2023 nun einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um rund drei Prozent. Er ist damit weit pessimistischer als die Bundesregierung, die nur ein Minus von 0,4 Prozent voraussagt.

Doch die DIHK-Umfrage zeugt von einem großen Pessimismus in der Wirtschaft. Mehr als die Hälfte der Unternehmen geht demnach von schlechteren eigenen Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus. Nur noch acht Prozent rechnen mit Besserung. Dies ist laut DIHK ein historisch schlechter Wert. Selbst in den Zeiten von Corona und der Finanzmarktkrise habe der Anteil der Optimisten höher gelegen.

"Dauerhafte Belastung" für den Wohlstand

Wenig Mut für die Zukunft der deutschen Wirtschaft macht derweil auch eine Studie des Kölner IW-Instituts. Danach kamen in den drei Krisenjahren 2020,2021 und 2022 Investitionen von 125 Milliarden Euro nicht zustande. Den IW-Experten zufolge dürfte das "dauerhaft den Wohlstand belasten".

Das Kölner Institut hat in einer Studie, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, die Kosten der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs geschätzt. "Würden diese beiden unheilvollen Ereignisse das Wirtschaftsleben nicht beeinträchtigen, dann wäre die Wertschöpfung in Deutschland in den Jahren 2020 bis 2022 um insgesamt 420 Milliarden Euro höher ausgefallen."

Historischer hoher Verlust an Kaufkraft

Hohe Staatsausgaben wirkten diesen Verlusten zwar entgegen, beim privaten Konsum waren durch Lockdowns und inflationsbedingte Kaufkraftverluste jedoch Einbußen von rund 400 Milliarden Euro zu verzeichnen, wie die Ökonominnen und Ökonomen erklärten. "Die kriegsbedingten Versorgungsprobleme mit Energie und Rohstoffen sorgen für bislang ungekannte Kostenschocks."

Zudem leide die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in ihrer vollen Breite. Nach den Konsumeinschränkungen infolge der bisherigen Infektionswellen zehrten nunmehr hohe Inflationsraten wie seit den 1950er Jahren nicht mehr an der Kaufkraft der Haushalte.

Ins gleiche Horn hatten zuletzt zahlreiche Ökonomen gestoßen. So gehen etwa die Experten der Kieler Instituts für Weltwirtschaft davon aus, dass die Kaufkraft im kommenden Jahr um 4,1 Prozent einbricht - und damit so stark wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 02. November 2022 um 13:36 Uhr.