Eine Million US-Dollar in 100-er Noten, ausgestellt im Geldmuseum der Notenbank in Chicago | AFP

20 Millionen Millionäre Nachwuchs im Club der Reichen

Stand: 29.06.2021 11:51 Uhr

Die reichsten Menschen der Welt haben das Corona-Jahr 2020 glänzend überstanden: Wer schon viel Geld hat, dem fliegt es zu. Der Boom an den Aktienmärkten lässt die Kassen der Superreichen klingeln.

Einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini zufolge wurde im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 20 Millionen Millionären weltweit überschritten. Die Zahl der Menschen, die über ein anlagefähiges Vermögen von mindestens einer Million Dollar verfügen, stieg um 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 20,8 Millionen, haben die Fachleute errechnet.

Wenn die insgesamt 20,8 Millionen Millionäre weltweit ihr Vermögen zusammenwerfen, ergibt das die Gesamtsumme von knapp 80.000 Milliarden Dollar (plus 7,6 Prozent), was rund 67.000 Milliarden Euro entspricht. Zum Vergleich: Würden sie sich entschließen, die Staatsschulden der USA und Deutschlands zu begleichen, blieben immer noch 50.000 Milliarden Dollar für ein oder mehrere Leben in Wohlstand übrig.

Wem nutzen die Börsenrekorde?  

Auch in Deutschland wurden die Reichen in der Krise reicher. Der Club der Dollarmillionäre wuchs hierzulande demnach um 69.100 Personen oder 4,7 Prozent auf mehr als 1,5 Millionen Mitglieder. Das Gesamtvermögen stieg um 6,8 Prozent auf rund 5850 Milliarden Dollar. Im Jahr 2019 war die Anzahl um noch um 8,8 Prozent gestiegen.

An der Spitze der Länder mit den meisten Dollarmillionären stehen die USA, gefolgt von Japan, Deutschland und China. Diese Länder stehen zusammen für nahezu 63 Prozent der Vermögenden weltweit. Als Gründe für den globalen Anstieg geben die Capgemini-Experten haussierende Aktienbörsen und steigende Immobilienpreise an.

Von Reichen und Superreichen

Innerhalb der Klasse der Millionäre gibt es Unterschiede: Am stärksten wuchs 2020 mit gut neun Prozent das Vermögen der Superreichen. Als Superreiche gelten Personen, die über ein anlagefähiges Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar verfügen.

Zuletzt veröffentlichte Studien zu dem Thema Reichtum kommen zu einem ähnlichen Ergebnis, auch wenn die Zahlen wegen Unterschieden in der Methodik nicht identisch sind.

Capgemini berücksichtigt bei dem jährlich erstellten "World Wealth Report" Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, alternative Investments wie privates Beteiligungskapital, Bargeld sowie Immobilien, sofern sie nicht selbst genutzt werden. Um die Frage, wie das Vermögen verteilt ist, kümmert sich Capgemini nicht.

DIW-Studie zur Vermögenskonzentration

In einer Studie aus dem Juli des vergangenen Jahres hatten sich die Experten des DIW die Vermögenskonzentration in Deutschland angesehen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Konzentration der individuellen Nettovermögen in Deutschland höher sei als bislang ausgewiesen.

Die oberen zehn Prozent würden demnach gut zwei Drittel des Nettovermögens besitzen. Allein das reichste Prozent der Bevölkerung vereine rund 35 Prozent des Vermögens auf sich. Mit Nettovermögen sind bei den Berechnungen des DIW das Bruttovermögen abzüglich der Schulden gemeint.

Möchte man der auch im internationalen Vergleich sehr ungleichen Vermögensverteilung entgegentreten, sollte der Vermögensaufbau in der Breite der Bevölkerung unterstützt werden, lautete seinerzeit das Fazit des DIW. Markus Grabka, einer der Autoren der Studie hatte festgestellt: "Staatliche Anreize zur Vermögensbildung sollten gegenüber einer stärkeren Umverteilung von oben nach unten bevorzugt werden."