Lohnabrechnung | picture alliance / Zoonar

Hohe Inflation Reallöhne sinken deutlich

Stand: 29.08.2022 12:01 Uhr

Die Löhne der Beschäftigten in Deutschland sind zwar im Frühjahr deutlich gestiegen, doch die Preise kletterten noch stärker. Unter dem Strich sanken die Realllöhne daher um mehr als vier Prozent.

Die in Deutschland abhängig beschäftigten Menschen können sich wegen der hohen Inflation trotz Lohnsteigerungen weniger von ihrem Geld kaufen. Zwar waren die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen im zweiten Quartal 2022 um 2,9 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

Weil die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum jedoch um 7,6 Prozent stiegen, ergab sich nach Angaben der Wiesbadener Behörde unter dem Strich ein Reallohnverlust. Den preisbereinigten Verdienstrückgang bezifferten die Statistiker auf 4,4 Prozent.

Ein größeres Minus gab es zuletzt zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020, als die massenhafte Kurzarbeit auf die Verdienste durchschlug. Schon im ersten Quartal 2022 waren die Reallöhne gesunken, wenn auch mit 1,8 Prozent deutlich schwächer.

Inflation dürfte wieder anziehen

Insbesondere im bevorstehenden Herbstquartal droht vielen Beschäftigten ein starker Reallohnverlust. Wegen steigender Energiepreise sagen Ökonomen eine Teuerungsrate von um die neun Prozent oder mehr voraus. Aktuell liegt sie noch bei 7,5 Prozent - auch weil Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket den Preisauftrieb bislang dämpften. Allerdings laufen beide Maßnahmen Ende August aus.

Auch im Gesamtjahr droht vielen Beschäftigten ein Kaufkraftverlust. So gleichen die bislang vereinbarten Tariferhöhungen den starken Inflationsanstieg bei weitem nicht aus, wie das Tarifarchiv des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) berechnete. Nach den bisher vorliegenden Abschlüssen dürften die Tariflöhne 2022 durchschnittlich um 2,9 Prozent steigen. Nach Abzug der erwarteten Inflationsrate sinken sie demnach real jedoch um 3,6 Prozent.

"Nachdem die Tariflöhne in den 2010er Jahren real relativ deutlich zugenommen haben, drohen 2022 für viele Beschäftigte im zweiten Jahr in Folge Reallohnverluste", sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. August 2022 um 10:05 Uhr.