Ein Arbeiter auf einer Baustelle

Dämpfer für Konjunktur Produktion überraschend gesunken

Stand: 08.03.2021 10:09 Uhr

Die deutsche Wirtschaft hat im Januar unerwartet weniger produziert - womit eine Serie von acht Anstiegen in Folgen endet. Vor allem zwei Branchen sind betroffen. Doch die Aussichten der Industrie hellen sich auf.

Während sich in weiten Teilen der Industrie, allen voran bei den Autoherstellern, Hoffnung auf Besserung breit macht, hat die deutsche Wirtschaft im Januar einen Dämpfer erlitten. Die Gesamtproduktion ist laut Bundeswirtschaftsministerium zu Jahresbeginn überraschend gesunken. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 2,5 Prozent weniger her als im Vormonat.

Ökonomen hatten dagegen einen Anstieg von 0,2 Prozent erwartet, nachdem es im Dezember mit revidiert plus 1,9 Prozent noch den achten Wachstumsmonat in Folge gegeben hatte. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Corona-Einschränkungen, lag die Produktion um 4,2 Prozent niedriger.

Chipmangel und Brexit-Folgen

Allerdings war die Entwicklung je nach Branche höchst unterschiedlich. In der Autoindustrie machte sich der Mangel an Halbleitern, der Brexit sowie gestörte Lieferketten bemerkbar. Demgegenüber verzeichnete der Maschinenbau ein merkliches Plus. Insgesamt hielt sich der Rückgang der Produktion in der Industrie mit 0,5 Prozent in Grenzen. Im Baugewerbe kam es zu einem deutlichen Rückgang von 12,2 Prozent, der wohl teilweise der ungünstigen Witterung geschuldet ist. Die Versorger meldeten ein Plus von 0,6 Prozent.

Für Sebastian Dullien, Direktor des IMK-Instituts, ist der Rückgang im produzierenden Gewerbe "kein Grund, sich über die aktuelle Wirtschaftserholung Sorgen zu machen". Das Minus gehe vor allem auf Rückgänge beim Bau und beim Fahrzeugbau zurück. Bei der Bauwirtschaft dürfte die kalte Witterung eine Rolle gespielt haben. Beim Fahrzeugbau fielen die Produktionsausfälle wegen fehlender Halbleiter ins Gewicht. Beide Ursachen seien aber vorübergehender Natur und dürften sich im Laufe des ersten Quartals auflösen. "Auf eine anhaltende Erholung deuten nicht nur die Auftragseingänge, sondern auch die gute Produktion von Vorleistungsgütern hin."

Ifo erwartet Besserung

Tatsächlich kann die exportabhängige Industrie auf Besserung hoffen: Ihre Produktionserwartungen hellten sich im Februar bereits den dritten Monat in Folge auf. Das entsprechende Barometer stieg den dritten Monat in Folge auf 20,7 Punkte von 9,4 im Januar, wie das Ifo-Institut in seiner monatlichen Umfrage ermittelt hat.

Die Ökonomen befragen monatlich 2000 Unternehmen, der Index wird aus dem Saldo positiver und negativer Erwartungen gebildet. In der Autoindustrie und bei ihren Zulieferern haben sich die Erwartungen demnach deutlich verbessert, der Indikator stieg auf 35 Punkte, nach minus 1 im Januar. Im Maschinenbau verbesserte sich die Stimmung ebenfalls. Allerdings ist das Bild nicht flächendeckend positiv. "Die Erwartungen der Branchen sind dabei sehr unterschiedlich", sagte Ifo-Fachmann Klaus Wohlrabe. Während die Autoindustrie ihre Produktion besonders stark ausweiten will, ist die Stimmung in der Bekleidungsindustrie und bei den Möbelherstellern weiterhin sehr gedrückt.

Dennoch verdichteten sich die Anzeichen für einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung im ersten Quartal, meint Volkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Der Start ins neue Jahr falle für die deutsche Wirtschaft voraussichtlich holpriger aus als noch im Dezember erwartet.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 08. März 2021 um 09:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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Giselbert 08.03.2021 • 18:31 Uhr

@ 17:21 von styxxx

"Eine Staatsverschuldung funktioniert eben auch völlig anders als bei einer Privatperson, " Auch nur solange es niedrige Zinsen gibt. Andernfalls geht auch dem Staat viel Geld für Zinsen verloren (was uns letztlich alle betrifft). Also nix mit völlig anders ...