Eine Frau läuft durch eine nahezu leere Einkaufsstraße in Frankfurt. | dpa

Folgen der Corona-Krise Stärkster Konsum-Einbruch seit 50 Jahren

Stand: 15.03.2021 12:35 Uhr

Die Deutschen haben im Corona-Jahr 2020 ihre privaten Konsumausgaben so stark eingeschränkt wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Erst die ab Juli gesunkene Mehrwertsteuer sorgte für Anreize.

Die Menschen in Deutschland haben im vergangenen Jahr auf Grund der Corona-Beschränkungen ihren privaten Verbrauch so stark zurückgefahren wie zuletzt 1970. Wie das Statistische Bundesamt bekannt gab, schrumpften die Ausgaben der Haushalte inflationsbereinigt um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - der stärkste Rückgang seit 50 Jahren. Die Entwicklung unterscheidet sich damit auch deutlich von der in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Damals war der private Konsum weniger beeinträchtigt, erwies sich sogar als Stütze für die deutsche Wirtschaft.

Vor allem in der ersten Jahreshälfte gingen die Ausgaben in fast allen Bereichen zurück. So schrumpften die Ausgaben der Verbraucher für Hotelübernachtungen, Restaurant- oder Kneipenbesuche um 33 Prozent. Die Ausgaben für Reisen mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem Bus fielen ebenfalls stark, im ersten Halbjahr um 28,6 Prozent und im zweiten Halbjahr um 38,6 Prozent, wie die Statistiker erklärten.

Die Nachfrage nach Kraftfahrzeugen brach im ersten Halbjahr um 20 Prozent ein, in der zweiten Jahreshälfte legte der Verkauf dann um knapp zehn Prozent zu.  Insgesamt jedoch stiegen die Ausgaben für Kraftfahrzeuge weniger stark an als in der Finanz- und Wirtschaftskrise - trotz der staatlichen Prämie beim Kauf eines Elektroautos.

Das ganze Jahr gaben die Bundesbürger mehr (plus 6,3 Prozent) für Nahrungsmittel und Getränke aus. Grund dafür dürfte sein, so die Statistiker, dass mehr von zu Hause gearbeitet, auf Vorrat gekauft und durch den Lockdown im Gastgewerbe weniger auswärts gegessen wurde.

Gesunkene Mehrwertsteuer kurbelt Möbelverkäufe an

Auch die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent von Juli und bis Dezember 2020 hatte Auswirkungen auf den privaten Verbrauch. So zog die Nachfrage nach langlebigen Gebrauchsgütern deutlich an. Die Ausgaben für Einrichtungsgegenstände wie Möbel und Haushaltsgeräte stiegen im zweiten Halbjahr spürbar um fast sieben Prozent.

Keine Auswirkung auf Schuhe und Kleidung

Branchenübergreifend gingen die Konsumausgaben für langlebige Güter im ersten Halbjahr 2020 um 8,5 Prozent zurück, im zweiten Halbjahr stiegen sie um 7,8 Prozent. "Auf die Käufe kurzlebiger Gebrauchsgüter - zum Beispiel Bekleidung und Schuhe - hatte die Mehrwertsteuersatzsenkung hingegen keinen durchschlagenden Effekt", teilte das Statistische Bundesamt mit.

Diese Käufe waren ab Jahresmitte ebenfalls weiter rückläufig, wenngleich auch nicht so stark wie von Januar bis Juni. Für Dienstleistungen gaben die Menschen in den beiden Halbjahren in ähnlichem Umfang weniger aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. März 2021 um 10:47 Uhr.