Ölfeld

Öl auf Mehrjahreshoch OPEC+ scheitert, Ölpreis steigt

Stand: 06.07.2021 10:36 Uhr

Nach den geplatzten OPEC+-Gesprächen über eine Lockerung der Förderbremse macht der Ölpreis einen Satz nach vorn. Jetzt drängt die US-Regierung auf einen Kompromiss.

Rohöl kostet derzeit so viel wie zuletzt vor rund zweieinhalb Jahren: Sowohl der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent als auch der Preis der richtungsweisenden US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg deutlich an. Offenbar sorgen sich die Anleger vor einem Angebotsengpass, da die aktuelle Erholung der Weltwirtschaft den Bedarf an Rohöl steigen lässt, während die Förderung weiterhin gebremst bleibt.

Es gibt jedoch auch Fachleute, die daran zweifeln, dass der Auftrieb von Dauer sein wird. Fachleute der Bank ING erwarten, dass der geplatzte OPEC+-Deal den Ölpreis nur kurz antreiben dürfte. Das Vertagen der Verhandlungen könne ein Zeichen für das Scheitern einer umfassenderen Vereinbarung sein. Deshalb bestehe das Risiko, dass Mitglieder selbstständig die Förderung erhöhen. Sollten sich einzelne Länder weniger oder gar nicht mehr an verabredete Förderquoten halten, könnte dies die Ölpreise belasten.

Keine Einigung erzielt

Gestern hatten sich die die Minister der OPEC+-Staaten, zu denen neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, auch nach mehreren Verhandlungsrunden nicht auf eine Anhebung der Produktionsquoten einigen können. Bislang wurde kein Termin für eine neue Sitzung festgelegt, wie Nachrichtenagenturen berichten.

Hintergrund des Scheiterns ist, dass die Vereinigten Arabischen Emirate die Zuteilung einer höheren Förderquote fordern, während Saudi-Arabien dem benachbarten Golfstaat keine Sonderrechte zugestehen wollte. Die meisten der 23 Länder der OPEC+ scheuen angesichts der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus vor noch größeren Lockerungen zurück.

Seit vergangenem Donnerstag hatte die OPEC+ über Pläne diskutiert, die Tagesproduktion ab August monatlich stufenweise um jeweils 400.000 Barrel anzuheben. Der gemeinsame Schritt der sogenannten OPEC+ sollte dazu beitragen, die sich erholende Weltwirtschaft zu versorgen.

Saudi-Arabien wünscht sich "ein wenig Vernunft"

Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte OPEC+ im Vorjahr die Tagesproduktion um rund 9,7 Millionen Barrel gekürzt. Dadurch gelang es, die Ölpreise zu stützen, die wegen des Stillstandes im Transportsektor und in vielen Industriezweigen unter Druck waren. Ölproduzenten sind grundsätzlich an einem hohen Ölpreis interessiert. Allerdings sollte er nicht so hoch sein, dass die Rohstoffkosten auf die Weltkonjunktur dämpfend wirken.

Inzwischen wurden die Ölhähne nach und nach aufgedreht. "Das war eine fantastische Leistung in den vergangenen 14 Monaten, und es wäre schade, wenn wir das nicht aufrechterhalten würden", sagte der saudische Energieminister Abdulasis bin Salman dem Sender Al-Arabija. "Ein wenig Vernunft und ein wenig Kompromiss kann OPEC+ retten."

USA drängen auf Kompromiss

Ereignisse wie die OPEC+-Verhandlungen erinnern daran, dass man bei Ölnotierungen nur sehr bedingt von einem Marktpreis sprechen kann. Vielmehr sind es stets auch politische Erwägungen die bestimmend sind. Das zeigt auch das Agieren der US-Regierung. Sie bemüht sich darum, die festgefahrenen Verhandlungen der großen Ölstaaten über eine Anhebung der Förderquoten wieder in Schwung zu bringen. "Wir sind nicht an diesen Gesprächen beteiligt, aber Regierungsbeamte haben sich mit relevanten Hauptstädten ausgetauscht, um auf eine Kompromisslösung zu dringen, die es ermöglicht, die vorgeschlagenen Produktionssteigerungen voranzubringen", teilte ein Präsidialamtssprecher in Washington mit. "Die Vereinigten Staaten beobachten die Verhandlungen der OPEC+ und ihre Auswirkungen auf die globale wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie genau", heißt es weiter.

Der aktuell vergleichsweise hohe Ölpreis führt in vielen Ländern nicht nur zu steigenden Verbraucherpreisen. Bleiben die Notierungen auf hohem Niveau, wäre das auch geeignet, dämpfend auf die globale wirtschaftliche Erholung einzuwirken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Börse am 06. Juli 2021 um 07:35 Uhr.