Erdölförderung | REUTERS

Trotz Drucks aus dem Westen Opec erhöht Ölförderung nur minimal

Stand: 03.08.2022 16:43 Uhr

Der Ölverbund Opec+ will die Fördermengen für den Herbst nur leicht steigern. Hoffnungen auf eine Entspannung beim Rohölpreis erhalten damit einen Dämpfer. Experten sprechen von einer symbolischen Geste des Kartells.

Die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Unterstützer, die Opec+, will ihre kurzfristige Ölproduktion für den September nur geringfügig anheben. Das Tagesproduktionsziel im September wurde um 100.000 Barrel (159 Liter) ausgeweitet, wie das Ölkartell nach einer Online-Konferenz heute mitteilte. Dies entspricht 0,1 Prozent der globalen Nachfrage.

Die rund 20 Staaten des Kartells hatten in ihrer Monatssitzung Anfang Juni entschieden, die coronabedingten Förderkürzungen von Anfang 2020 bis Ende August schrittweise zurückzunehmen und die Produktion zu erhöhen. Der Ölverbund produziert jedoch aktuell noch immer weniger als vereinbart. Laut der Internationalen Energie-Agentur lag der Rückstand im Juni bei rund 2,8 Millionen Barrel am Tag.

Die nun beschlossene Erhöhung der Ölförderung ist eine der kleinsten in der Geschichte der Opec. Bei vielen westlichen Staaten dürfte sie für Enttäuschung sorgen. Auf die Preise an den internationalen Rohölmärkten dürfte sich der Opec-Beschluss kaum langfristig auswirken. Nach Bekanntwerden des neuen Produktionsziels stieg der Preis für Nordsee-Öl der Sorte Brent zwischenzeitlich um 1,5 Prozent auf 102 Dollar pro Barrel.

Kaum noch freie Kapazitäten?

Saudi-Arabien, einer der größten Erdölproduzenten der Welt, befindet sich derzeit in einer heiklen Rolle. Der Staat setzt auf der einen Seite auf die Zusammenarbeit mit dem russischen Staat, der vor dem Hintergrund des Krieges seine Produktion nicht erhöht und von den hohen Preisen profitiert. Auf der anderen Seite ist der Golfstaat ein Verbündeter der Vereinigten Staaten. US-Präsident Joe Biden hatte dort unlängst eine Ausweitung der Produktion ins Spiel gebracht hat, um die Preise zu drücken.

Die Opec+ verwies in einer Mitteilung auf "extrem limitierte Kapazitätsüberschüsse", die das Ölkartell äußerst vorsichtig nutzen müsse. Auch nach Einschätzung des Analysten Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates verfügen die meisten Opec-Mitglieder über keine freien Kapazitäten, um die Produktion zu steigern. Die nun beschlossene Erhöhung der Fördermengen sei eine symbolische Geste.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. August 2022 um 18:00 Uhr.