Ölfeld

Ein teurer Winter droht Ölpreis steigt auf Drei-Jahres-Hoch

Stand: 28.09.2021 10:56 Uhr

Der Aufwärtstrend der Ölpreise hält an. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent kostet erstmals seit drei Jahren mehr als 80 Dollar. Die Folgen dieser Entwicklung sind deutlich an den Tankstellen zu spüren.

Die Ölpreis klettern weiter auf breiter Front. Für ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent wurden zum ersten Mal seit drei Jahren mehr als 80 Dollar bezahlt und zwar am Morgen bis zu 80,74 US-Dollar. US-Öl der Sorte WTI kostete in der Spitze 76,67 Dollar. Das waren jeweils rund zwei Prozent mehr als am Vortag. Beide Preise beziehen sich auf Lieferungen, die für den November terminiert sind.

Erklärungen für die aktuelle Entwicklung liefert unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs. "Das aktuelle Angebotsdefizit ist höher als wir erwartet hatten", schrieben die Analysten der Bank. Zudem erhole sich die Kraftstoffnachfrage schneller als gedacht von den Folgen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus. Marktbeobachter hoben deshalb die Prognose für die weitere Preisentwicklung der Ölsorte Brent zum Jahresende um zehn Dollar auf 90 Dollar je Barrel an.

Förderung hinkt Nachfrage hinterher

Zwar weitet der Ölverbund Opec+ seine Förderung seit einigen Monaten schrittweise aus. Allerdings ist es zuletzt vor allem in den USA zu wetterbedingten Förderausfällen gekommen, die noch nicht vollständig aufgeholt werden konnten. Die schleppende Erholung der Ölförderung im Golf von Mexiko nach dem Wirbelsturm "Ida" lasse die Lagerbestände schmelzen, schreiben die Analysten der ANZ Bank.

Zusätzlich haben einige Förderländer des Opec-Kartells und ihre Partner laut Insidern derzeit Schwierigkeiten, die Produktion der Nachfrage entsprechend hochzufahren. Unter anderem betrifft das demnach Angola, Nigeria und Kasachstan. Als Grund werden dort zu niedrige Investitionen in den vergangenen Jahren und größeren Wartungsarbeiten genannt, die wegen der Pandemie zurückgestellt worden waren.

Erdgaspreis-Rally

Flankiert wird der Aufwärtstrend beim Ölpreis durch die Entwicklung beim Gaspreis, obwohl die US-Produzenten ihr Angebot kräftig ausweiten wollen. Die Großhandelspreise für Erdgas sind seit Monaten auf einem Höhenflug, wohl auch, weil Russland derzeit eher zögerlich liefert. Daher steigt laut Experten die Attraktivität, Öl als Ersatzbrennstoff einzusetzen.

Spritpreise klettern

An der Tankstelle macht sich der steile Anstieg deutlich bemerkbar. Nach Berechnungen des ADAC kostete ein Liter Superbenzin der Sorte E10 am vergangenen Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,582 Euro pro Liter. Das waren 0,5 Cent mehr als eine Woche davor. Diesel verteuerte sich mit einem Plus von 1,9 Cent noch stärker und lag am Sonntag bei 1,441 Euro je Liter. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Spritpreise mehrjährige Höchststände erreicht.

Langfristig Rückgang erwartet

Auf längere Sicht rechnen die Märkte allerdings wieder mit sinkenden Ölpreisen. So kosten Kontrakte für die Lieferung von Brent in einem Jahr derzeit rund 73 Dollar, in zwei Jahren 68 Dollar und in drei Jahren 64 Dollar je Barrel.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. September 2021 um 09:05 Uhr.