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Studie zu Corona-Folgen Migranten gründen weniger Firmen

Stand: 02.11.2021 15:39 Uhr

Im Corona-Jahr 2020 ist die Zahl der Geschäftsgründungen durch Migrantinnen und Migranten besonders stark gesunken. Deren Anteil unter den Existenzgründern lag erstmals seit 2009 niedriger als der Anteil an der Bevölkerung.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich verstärkt auch bei den Existenzgründungen von Migrantinnen und Migranten. Im vergangenen Jahr lag der Anteil von Gründern, die nicht gebürtig die deutsche Staatsangehörigkeit haben, zum ersten Mal seit 2009 wieder unter ihrem Anteil an der Erwerbsbevölkerung, wie eine Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW zeigt. Der nun veröffentlichte KfW-"Gründungsmonitor" basiert auf einer repräsentativen Befragung von etwa 50.000 Personen. Die Umfrage findet in dieser Form jährlich seit 2002 statt.

Überdurchschnittlicher Rückgang

Die Zahl der Gründungen durch Migrantinnen und Migranten sank demnach 2020 auf 110.000 - 2019 hatte die Vergleichszahl noch bei 160.000 gelegen. Der Anteil an der Gesamtzahl der Unternehmensgründungen in Deutschland sank von 26 auf 21 Prozent. Im Corona-Jahr 2020 war die Zahl der Existenzgründungen insgesamt von 605.000 auf 537.000 gesunken. "Gründungen durch Migrantinnen und Migranten sind im Corona-Jahr überdurchschnittlich stark zurückgegangen", erläutert KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Dennoch blieben Migranten auch nach der Pandemie ein "wichtiger Pfeiler der Gründungstätigkeit in Deutschland".

Traditionell sind Migranten gründungsfreudiger als der Durchschnitt der Erwerbsbevölkerung. Zum einen ist bei ihnen der Wunsch nach Selbstständigkeit stärker ausgeprägt als im Schnitt. Nach einer früheren KfW-Studie ziehen sie zu 38 Prozent die Selbstständigkeit einer abhängigen Beschäftigung vor, bei allen Bundesbürgern liegt der Anteil bei 29 Prozent. Die Schwerpunkte der Geschäftsgründungen liegt bei "persönlichen Dienstleistungen", dabei besonders in der Gastronomie - einer Branche, die unter den Auswirkungen der Beschränkungen während der Pandemie besonders zu leiden hatte.

Notgründungen mangels Erwerbsalternativen

Zum anderen haben Migrantinnen und Migranten in Deutschland schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das zeigte im vergangenen Jahr auch der Anteil der "Notgründungen", die der KfW-Gründungsmonitor für diese Bevölkerungsgruppe ausweist: Der Prozentsatz der Notgründungen mangels Erwerbsalternativen lag bei Migranten im vergangenen Jahr bei 35 Prozent, eine Steigerung um drei Prozentpunkte gegenüber 2019. Im Durchschnitt ging der Anteil der Notgründungen sogar von 23 auf 16 Prozent zurück.