Ein Kran und Baumaterial stehen auf einer Baustelle in Hamburg. | dpa

Lieferengpässe und steigende Preise Materialmangel am Bau verschärft sich

Stand: 01.06.2021 16:03 Uhr

Auf vielen Baustellen in Deutschland geht es in diesen Tagen nur schleppend voran. Es mangelt an Holz, Stahl, Dämm-Material - und demnächst womöglich sogar an Schrauben.

Der wachsende Mangel an Baumaterialien hat sich im vergangenen Monat deutlich zugespitzt. Wie aus einer Umfrage des ifo-Instituts hervorgeht, berichteten im Hochbau 43,9 Prozent der Firmen, sie hätten Probleme, rechtzeitig Baustoffe zu beschaffen. Das waren doppelt so viele wie im April, als nur 23,9 der Unternehmen über derartige Probleme klagten. Der Tiefbau war etwas schwächer betroffen, mit 33,5 Prozent im Mai. Im April hatten dort nur 11,5 Prozent der Betriebe von Engpässen berichtet. "Noch ist die Kapazitätsauslastung der Branche hoch, sagte ifo-Experte Felix Leiss. Aber die Lieferengpässe machen immer mehr Unternehmen Sorgen."

Hinzu kommen rasant steigenden Rohstoffpreise. "Die Preise für Schnittholz sind in den letzten Monaten nahezu explodiert, die Sägewerke kommen nicht hinterher", so Leiss. Auch Stahl hat sich erheblich verteuert. Dämm-Materialien und verschiedene Kunststoffe seien zudem knapp.

Warnung vor einem "beispiellosen Chaos"

Engpässe befürchten auch die Hersteller von Schrauben. Die hohe Kapazitätsauslastung, Rohstoffengpässe und Logistikprobleme hätten die internationalen Lieferketten bereits in ein "beispielloses Chaos gestürzt", sagte Volker Lederer, Vorsitzender des Fachverbands des Schrauben-Großhandels (FDS) dem "Handelsblatt". Wenn die Europäische Union nun auch noch zusätzliche Zölle auf den Import von Verbindungselementen aus Eisen und Stahl aus China erhebe, würde sie "den perfekten Sturm heraufbeschwören", warnte Lederer.

Die EU-Kommission prüft derzeit, Lieferanten aus der Volksrepublik mit Antidumpingzöllen zu belegen. Bis zum 22. Juni will die Behörde bekanntgeben, ob sie vorläufige Strafzölle verhängt. Lederer warnt davor, die Lieferungen chinesischer Produzenten nach Europa zu erschweren: "Um Ausfälle von Produktionslinien in Europa zu vermeiden, braucht die heimische Wirtschaft die Kapazitäten des gesamten asiatischen Beschaffungsmarktes - einschließlich Chinas."

Noch ist die Auftragslage stabil

Die Baubranche verfolgt die Entwicklung kritisch, hat aber noch keine Auftragseinbußen erlitten. "Wir haben eine stabile Auftragslage", sagte Stephan Rabe vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) der Nachrichtenagentur Reuters. Im März meldeten die Unternehmen einen Rekordauftragsbestand von 62 Milliarden Euro. "Die Pipeline ist voll, die Unternehmen sind sehr gut ausgelastet." Bislang rechnet der Verband mit stagnierenden Umsätzen in diesem Jahr. "Wenn die Beeinträchtigungen über die Jahresmitte hinaus anhalten, die Materialknappheit zunimmt, ganze Baustellen geschlossen werden müssen und die aufgerufenen Preise weiter steigen, dann macht sich das negativ bemerkbar", sagte Rabe. Dann könne die Umsatzprognose nicht gehalten werden.

Die Probleme durch Lieferengpässe haben sich auch in der deutschen Industrie insgesamt ausgeweitet. "Mittlerweile melden fast vier von fünf Herstellern längere Vorlaufzeiten für ihre Rohmaterialien", sagte der Ökonom Phil Smith vom Institut IHS Markit, das monatlich Hunderte Manager befragt. Eine wachsende Zahl von Unternehmen beklagte negative Folgen für Produktion und Neugeschäft durch die erzwungenen Ausfallzeiten.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 10. Mai 2021 um 06:00 Uhr.