Industrieanlage

Wachsendes Exportgeschäft Made in Germany boomt

Stand: 09.03.2021 12:36 Uhr

Für die deutsche Exportwirtschaft ist der Jahresstart überraschend gut gelungen. Die Ausfuhren wuchsen zum neunten Mal in Folge. Vor allem die Nachfrage aus China hilft den Unternehmen.

Im Januar 2021 sind die Exporte in Deutschland gegenüber dem Vormonat Dezember kalender- und saisonbereinigt um 1,4 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Es sind deutlich bessere Zahlen als von Experten erwartet - viele Ökonomen hatten sogar mit einem Rückgang gerechnet.

Insgesamt verkauften die Exporteure im Januar Waren im Wert von 98,1 Milliarden Euro ins Ausland. Verglichen mit Januar 2020 waren das aber 8,0 Prozent weniger. Dabei sanken die Ausfuhren in die EU-Staaten um 6,0 Prozent, die in den Rest der Welt sogar um 10,3 Prozent.

"Exporte nach China und in die USA haben die Exportfahne hochgehalten", so der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. Ähnlich äußerte sich Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank: "Es ist vor allem dem Handel mit China zu verdanken, dass die Ausfuhren nicht nur im Januar 2021, sondern auch in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine erfreuliche Entwicklung nahmen. Trostlos sieht hingegen der Handel mit Großbritannien aus", kommentiert der Marktbeobachter.

Handel mit Großbritannien bricht ein

D
er Rückgang der Ausfuhren nach Großbritannien fiel besonders kräftig aus. Die Exporte sanken im Januar um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf 4,3 Milliarden Euro. Die deutschen Importe aus dem Vereinigten Königreich brachen um 56,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro ein.

"Ohne den massiven Exportrückgang nach Großbritannien wäre das Ergebnis noch deutlich besser ausgefallen", so Krüger. Die anhaltende Erholung der Weltwirtschaft lasse weitere Exportzuwächse erwarten.

Auch eine Analyse der Unternehmensberatung EY für "Die Welt" zeigt, wie China während der Corona-Krise seine Stellung als wichtigster Handelspartner Deutschlands weiter ausgebaut hat. "Die Bedeutung Asiens und vor allem Chinas für die deutsche Wirtschaft war nie so groß wie im vergangenen Jahr", sagte Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY. Die schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft nach dem Lockdown im Frühjahr habe sich als "Glücksfall gerade für die deutschen Unternehmen" erwiesen, sagte Meyer der Zeitung.

Hohe Abhängigkeit vom China-Geschäft

Die Studie fasst die Umsatzanteile des China-Geschäfts bei den einzelnen DAX-Unternehmen zusammen: Beim Chiphersteller Infineon waren es 29,1 Prozent, beim Pharmaunternehmen Merck 14,4 Prozent und bei Siemens 12,7 Prozent.

Einige Konzerne weisen die Erlöse nur als Gesamtumsatz im Asien-Pazifik-Raum aus. So betrug etwa der Anteil der Region am Gesamtumsatz beim Chemieunternehmen Covestro 32,7 Prozent, beim Sportartikelhersteller Adidas 32,6 Prozent. Experten gehen allerdings davon aus, dass der Anteil Chinas am Gesamtumsatz der deutschen Konzerne wieder sinken könnte, wenn es mit Abklingen der Pandemie zu einem Wirtschaftsaufschwung in Europa kommt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 in der Wirtschaft am 09. März 2021 um 12:40 Uhr.