Arbeitsplätze in einer leeren Industriehalle | picture alliance / imageBROKER

ifo-Umfrage Wieder mehr Kurzarbeit

Stand: 03.12.2021 10:22 Uhr

Erstmals seit Februar sind wieder mehr Menschen in Kurzarbeit. Steigenden Corona-Neuinfektionen und Lieferengpässe machen der Wirtschaft zu schaffen. Das wird jetzt auch auf dem Arbeitsmarkt spürbar.

Die Zahl der Kurzarbeitenden ist in Deutschland erstmals seit Februar wieder angestiegen. Im Vergleich zum Vormonat waren im November 1,8 Prozent mehr Beschäftigte in Kurzarbeit. Das schätzt das ifo-Institut auf Basis seiner Umfragen und den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

 

In der Industrie fehlen Vorprodukte

Besonders deutlich stieg die Anzahl der Kurzarbeitenden in der Industrie und im Gastgewerbe. In der Industrie wuchs die Zahl um etwa 4,3 Prozent. "Die Flaschenhals-Rezession, die durch fehlende Vorprodukte zustande kommt, macht sich hier bemerkbar", sagt ifo-Experte Stefan Sauer.

Die Auftragsbücher der Industrie sind zwar so prall gefüllt wie noch nie. Die Produktion allerdings kann damit nicht mithalten, weil wichtige Vorprodukte fehlen. Dieser Trend zeichnete sich schon im August ab: Während in allen anderen Branchen die Kurzarbeit sank, stieg sie in der Industrie, beispielsweise bei den Autoherstellern.

Corona-Beschränkungen belastet das Gastgewerbe

Im Gastgewerbe gab es ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Kurzarbeit um 4,4 Prozent. Die neuen Corona-Verordnungen, etwa die "2G+"-Regel für Hotels und Bars in manchen Regionen, sorgen dafür, dass viele Menschen lieber zuhause zu bleiben. Ebenso belasten die hohe Zahl der Neuinfektionen das Gewerbe, da Kunden aus Angst vor Ansteckung fernbleiben.

Die ifo-Experten rechnen damit, dass die verschärften Maßnahmen von Bund und Ländern im Kampf gegen die Corona-Krise eine Rezession wahrscheinlicher machen. Das könnte sich auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. "Die Ausdehnung der 2G-Regel auf den Einzelhandel wird faktisch rund 15 Prozent der Erwachsenen aus den Geschäften verbannen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der Nachrichtenagentur Reuters. Er erwartet, dass die deutsche Wirtschaft während der Wintermonate deutlich schrumpfen wird.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.