Zwei Kugelschreiber liegen auf einem Antragsformular für Kurzarbeitergeld (gestellte Szene).  | dpa

Studie zu Corona-Krise Kurzarbeit sicherte Millionen Jobs

Stand: 10.05.2021 09:36 Uhr

Die Pandemie hat den Arbeitsmarkt in Deutschland stark belastet. Doch ohne Kurzarbeit wäre es noch viel schlimmer gekommen. Einer Studie zufolge konnten dadurch 2,2 Millionen Arbeitsplätze erhalten werden.

Laut einer aktuellen Studie hat die Kurzarbeit den Verlust von Millionen Arbeitsplätzen verhindert. Die Bundesregierung sicherte demnach durch die erweiterten Regelungen zur Kurzarbeit auf dem Höhepunkt der Corona-Krise 2,2 Millionen Jobs. Das gehe aus einer Studie des Instituts für Makroökonomie (IMK) und der Universitäten Kiel und Münster hervor, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Große Unterschiede zur Finanzkrise

Demnach sicherte das Instrument sechsmal so viele Stellen wie in der Finanzkrise 2008/2009. "Das deutsche Modell der Kurzarbeit ist eine super Sache", sagte der Ökonom Andreas Peichl vom Ifo-Institut der Zeitung. Während in der Finanzkrise 2008/2009 vor allem durch Tarifverträge abgesicherte Industriebeschäftigte in Kurzarbeit geschickt worden seien, seien es diesmal auch schlechter bezahlte Mitarbeiter von Dienstleistern wie Restaurants oder Geschäften gewesen.

Die Studie sei eine plausible Hochrechnung. Die Forscher hatten die geretteten Jobs aus der Zahl der gekürzten Arbeitsstunden errechnet.

Arbeitslosigkeit deutlich gestiegen

Die Pandemie hat auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen. So lag die Arbeitslosenquote in Deutschland zu Beginn des vergangenen Jahres - also bevor die Folgen der Pandemie die Wirtschaft trafen - bei 5,3 Prozent. Der Wert erreichte dann im August 2020 ein Hoch von 6,4 Prozent. In Deutschland gab es Ende vergangenen Jahres 33,3 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.

Die Bundesregierung hatte die Zuschüsse für die ausgeweitete Kurzarbeit im Sommer 2020 verlängert. Bis Juni des laufenden Jahres gilt derzeit der vereinfachte Zugang zur Kurzarbeiterregelung.

Finanzieller Engpass trotz Kurzarbeitergeld

Laut dem Zeitungsbericht zeigt die IMK-Untersuchung allerdings auch die schwierige finanzielle Lage mancher Beschäftigter. Ein Single habe trotz Kurzarbeitergeld zum Höhepunkt der Krise im April 2020 im Schnitt auf ein Fünftel seines Einkommens verzichten müssen, doppelt so viel wie in der Finanzkrise. In den Branchen Kultur und Gastgewerbe hätten die Einbußen bei durchschnittlich 30 Prozent gelegen.

Die Bemessungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld ist die Differenz zwischen dem regulären Nettogehalt und dem gekürzten Nettogehalt aufgrund der Kurzarbeit. 60 Prozent davon erstattet der Staat als allgemeinen Leistungssatz unabhängig vom Familienstand. Ist mindestens ein halber Kinderfreibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen, liegt die Erstattung bei 67 Prozent. Wenn der Entgeltausfall des betroffenen Arbeitnehmers mindestens 50 Prozent beträgt, kann das Kurzarbeitergeld ab dem vierten Monat auf 70 Prozent (mit mindestens einem Kind auf 77 Prozent) und ab dem siebten Monat auf 80 Prozent (mit mindestens einem Kind auf 87 Prozent) aufgestockt werden.

Derzeit sinkt die Zahl der Kurzarbeiter

Im April des laufenden Jahres waren nach einer aktuellen Schätzung des Ifo-Instituts noch 2,7 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Das wären 300.000 weniger als im März. Am schwersten von der Corona-Krise getroffen waren wegen des andauernden Lockdowns demnach weiter Hotels und Gaststätten. Im Gastgewerbe waren demnach 565 000 Menschen in Kurzarbeit, ein Anteil von über 53 Prozent. In der Industrie waren laut Schätzung noch 6,4 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, insgesamt 444 000 Menschen.

Im Vergleich zum ersten Lockdown vor einem Jahr sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt inzwischen weniger gravierend. Im Mai 2020 waren knapp sechs Millionen Menschen in Deutschland in Kurzarbeit.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Mai 2021 um 10:15 Uhr.