Ein Arbeiter reinigt ein Exzenterrad | dpa

IW-Konjunkturumfrage Industrie erwartet Aufwärtstrend 2021

Stand: 28.12.2020 08:49 Uhr

Nach dem Konjunktureinbruch in der Corona-Krise könnte sich 2021 die Industrie zum Zugpferd der Wirtschaft entwickeln. Eine IW-Umfrage zeigt aber auch: Das Vorkrisenniveau ist für viele noch weit entfernt.

In der deutschen Wirtschaft dominiert für das kommende Jahr Zuversicht. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erwarten 26 von 43 Branchen eine höhere Wirtschaftstätigkeit als im lauenden Jahr, das von einem massiven Konjunktureinbruch infolge der Corona-Krise bestimmt war. Der hoffnungsvolle Blick auf 2021 bedeute für eine Reihe von Unternehmen und ganze Branchen aber noch keine Rückkehr zum Vorkrisenniveau, erläuterte das arbeitgebernahe Institut.

"Industrie ist das Zugpferd"

Vor allem das verarbeitende Gewerbe treibt aber die Hoffnungen auf eine Erholung an. "Die Industrie ist das Zugpferd aus der Konjunkturkrise", sagte IW-Direktor Michael Hüther der Nachrichtenagentur dpa. "Voraussetzung ist aber, dass die Grenzen offen bleiben, Lieferketten nicht reißen und Kinder in Kitas und Schulen gehen können, damit Beschäftigte weiter arbeiten können."

Der erste harte Lockdown im Frühjahr hatte auch die Industrie massiv in Mitleidenschaft gezogen, weil viele Länder zeitweise die Grenzen schlossen. Seit geraumer Zeit ziehen Auftragseingang und Produktion wieder an. Dennoch sei die Stimmungslage in vier von fünf Unternehmen in Deutschland schlechter als vor einem Jahr, schrieb das IW.

Im kommenden Jahr rechnen 21 Branchen mit einer etwas höheren Produktion. So hoffen beispielsweise Maschinenbau, Elektroindustrie und die Chemieindustrie, das Krisenjahr hinter sich zu lassen. Die Rückkehr zum Normalzustand wird dem IW zufolge aber noch dauern. Gastgewerbe, Einzelhandel sowie Messe- und Werbewirtschaft hoffen nach dem Krisenjahr 2020 mit teilweise komplett eingestelltem Geschäft wenigstens auf moderate Zuwächse.

Textil-, Mode- und Ernährungsbranche erwarten Rückgang

Die Automobilindustrie sowie wichtige Zulieferbereiche wie Gießereien oder die Stahl- und Metallverarbeitung erwarten eine deutlich höhere Produktion. "Die brutalen Einbrüche in 2020 relativieren gleichwohl diese positive Erwartungshaltung", erläuterte das IW.

13 Wirtschaftsverbände gehen davon aus, dass das Produktionsniveau 2021 sogar noch unter dem des Krisenjahres liegen wird. Einen deutlichen Rückgang befürchten unter anderem die Textil- und Modebranche sowie die Ernährungsindustrie.

Mit einer etwas niedrigeren Schlagzahl rechnet unter anderem die Bauwirtschaft. Der Bau boomt bislang. Er leidet dem IW zufolge aber zunehmend unter der allgemeinen Investitionsschwäche und Beeinträchtigungen der Produktion infolge der Pandemie.

Erholung am Arbeitsmarkt schleppend

Die Umfrage wurde im November und damit vor den seit 16. Dezember geltenden härteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in Deutschland durchgeführt. Bei einer weiteren Befragung Mitte Dezember zeigte sich Hüther zufolge die Spaltung zwischen weiten Teilen der Industrie einerseits sowie dem Einzelhandel und dem Hotel- und Gastgewerbe andererseits, die der zweite harte Lockdown besonders trifft.

Eine Erholung am deutschen Arbeitsmarkt lässt nach Einschätzung der großen Wirtschaftsverbände auf sich warten. So rechnen 23 Branchen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen. Dazu zählen die Autoindustrie und das Finanzgewerbe.

Nach Finanzkrise folgte ein stabiles Jahrzehnt

Lediglich fünf Branchen gehen demnach von einer höheren Mitarbeiterzahl im kommenden Jahr aus: darunter etwa die Bauwirtschaft und das Handwerk, die beide seit Jahren über Arbeitskräftemangel klagen. 14 Bereiche wollen die Zahl der Beschäftigten konstant halten. Dabei hilft auch das höhere Kurzarbeitergeld, das bis Ende 2021 verlängert wurde.

Nach Ansicht des Chefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, wird der Lockdown dagegen nur begrenzte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. "Kurzfristig werden Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit wieder steigen, aber im Moment gehen wir von keinem so starken Einbruch am Arbeitsmarkt wie noch im Frühjahr aus", sagte Scheele den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" in dieser Woche. Erste Einschätzungen legten nahe, dass die Kurzarbeitsanzeigen im Dezember "nicht weiter sprunghaft ansteigen".

Auch wenn sich wegen der harten Corona-Regeln in Deutschland und anderen Ländern die Erholung nach hinten verschieben dürfte, wird die deutsche Wirtschaft nach allgemeiner Erwartung 2021 wieder wachsen. Das erste Quartal wird Hüther zufolge zwar schwierig werden. "Ich sehe aber keinen Grund zu tiefem Pessimismus. Auch nach der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 hat sich die deutsche Wirtschaft erholt. Es folgte ein stabiles Jahrzehnt."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.