Roboter von ABB arbeiten an der Karosserie von BMW-Modellen. | dpa

Konjunkturaussichten Auf die Industrie kommt es an

Stand: 07.12.2021 16:19 Uhr

Die weltweiten Folgen der Pandemie belasten die exportabhängigen deutschen Unternehmen besonders stark. Nun sind neue Corona-Sorgen dazugekommen. Wie wird die Wirtschaft durch den Winter kommen?

Von Constantin Röse, ARD-Börsenstudio

Neue Konjunkturdaten sind oft ein Stimmungstest für die Finanzmärkte. In dieser Woche gab es einige Überraschungen - gute wie schlechte. So musste die deutsche Industrie im Oktober einen heftigen Auftragseinbruch verkraften. Schuld daran sind die viel zitierten Materialengpässe. Deswegen hielten sich vor allem ausländische Kunden mit Bestellungen zurück. Hinzu kommt noch die verschärfte Corona-Lage in vielen Ländern.

Ein positives Signal kam dagegen von der Industrieproduktion. Besonders in der Autobranche liefen wieder mehr Autos und Teile vom Band. Für Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der ING Deutschland kam diese Nachricht aber nicht ganz überraschend. "Wir hatten jetzt eine Situation, in der wir wirklich nur einen Container aus Asien brauchten oder eine Handvoll Mikrochips, um endlich wieder Produktion zu sehen. Denn die Lagerbestände waren leergeräumt", sagt Brzeski. "Von daher braucht es nicht viel, um endlich wieder Wachstum in der deutschen Industrie zu bekommen."

Chip-Produktion stockt weiterhin

Gelöst sind die Probleme aber noch nicht. Denn insbesondere die stockende Halbleiterproduktion in Asien bremst Unternehmen hierzulande. Experten schätzen, dass sich die Lage bei den Computerchips erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres entspannen könnte. Und ein Punkt komme hinzu, meint Andreas Scheuerle von der Deka-Bank: "Die Lieferengpässe belasten kein Land in Europa so stark wie Deutschland - wegen des hohen Industrieanteils und wahrscheinlich auch wegen des hohen Anteils der Automobilindustrie."

Das Schicksal der deutschen Wirtschaft hängt also vor allem von der Situation in der deutschen Industrie ab. "Der große Joker ist die Industrieproduktion, die jetzt mit einer kurzen Wiederbelebung eventuell noch die Rezession verhindern könnte", so der ING-Experte Brzeski.

Bei den meisten Börsenprofis ist die Stimmung aber pessimistischer. Jeden Monat veröffentlicht das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) das Konjunkturbarometer der Profi-Investoren. Da ist von einem dunklen Winterhalbjahr die Rede, vor allem wegen der wieder aufgeflammten Corona-Pandemie.

Hoffnung auf den Konsum

Dafür ist der Blick in das kommende Jahr deutlich positiver - auch weil dann Corona-Beschränkungen wieder wegfallen könnten. Profitieren dürften dann Hotels oder Restaurants und natürlich der Einzelhandel, wenn Verbraucher die Konsumfreude wieder packt. "Wir rechnen damit, dass im nächsten Jahr ein richtig ordentlicher Wachstumsschub kommt, mit mehr als vier Prozent Wachstum", sagt Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. "Denn die Deutschen haben während der Krise auch relativ viel Geld beiseite gelegt, was sie zum Teil ausgeben wollen."

An den Börsen kommt dieser Optimismus gut an - nach verlustreichen Tagen an den Aktienmärkten. Aber: In einer Pandemie können unerwartete Probleme ganz schnell die Pläne von Anlegern und Ökonomen durchkreuzen.