Eine Frau läuft durch eine nahezu leere Einkaufsstraße in Frankfurt. | dpa

Corona-Krise bremst Konsum Deutsche Wirtschaft schrumpft stärker

Stand: 25.05.2021 09:45 Uhr

Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist im ersten Quartal nach neuesten Zahlen um 1,8 Prozent gesunken - und damit stärker als bisher errechnet. Der Bund verspricht weitere Corona-Hilfen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres stärker als zunächst erwartet gefallen. Der Wert von 1,8 Prozent liegt über dem zunächst gemeldeten Minus von 1,7 Prozent aus der ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes. Die Angaben beziehen sich jeweils auf den Vergleich mit dem Vorquartal, also die Monate Oktober bis Dezember.

Der zweite Lockdown infolge der Corona-Pandemie hat die Konjunktur damit hart getroffen. Durch Geschäfts- und Restaurantschließungen wurde vor allem der private Konsum gedrosselt, der normalerweise eine Stütze der heimischen Konjunktur ist. Die privaten Konsumausgaben brachen entsprechend um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein.

Mehrwertsteuereffekt fehlt

Auch die Rückkehr zum alten Mehrwertsteuersatz von 16 auf 19 Prozent zum Jahreswechsel wirkte sich laut den Statistikern dämpfend aus. Verbraucher hatten wegen der niedrigeren Steuersätze Anschaffungen auf das zweite Halbjahr 2020 vorgezogen. Diese Käufe fehlten nun in der Konsumstatistik der ersten drei Monate des laufenden Jahres.

Auch auf Unternehmensseite hatten der Lockdown und die damit verbundenen Engpässe bei vielen Firmen Auswirkungen. Die Unternehmen investierten etwas weniger in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge (minus 0,2 Prozent). Von einer anziehenden globalen Nachfrage nach deutschen Gütern und Dienstleistungen profitierte aber der Außenhandel. Allerdings stiegen die Importe von Waren und Dienstleistungen (plus 3,8 Prozent) deutlich stärker als die Exporte (plus 1,8 Prozent).

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier versprach vor dem Hintergrund der aktuellen Situation den Unternehmen, die staatlichen Corona-Hilfen über den bislang geplanten 30. Juni hinaus zu verlängern. "Ich sage Ihnen zu: Wir werden das so lange fortführen, wie es eine nennenswerte Zahl von Unternehmen gibt, die unter den Spätfolgen von Corona nach wie vor leiden", sagt Altmaier im Polittalk der "Bild"-Zeitung. Über das konkrete Datum der Verlängerung von Überbrückungshilfen werde in der Bundesregierung noch diskutiert.

Schwächer als die Nachbarn gestartet

Deutschland ist damit auch schwächer ins Jahr gestartet als viele Nachbarländer: Die Eurozone schrumpfte im ersten Quartal nur um 0,6 Prozent. "So bitter die neuerlichen wirtschaftlichen Rückschläge im ersten Quartal waren, es sind vorerst die letzten gewesen", ist sich der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, sicher.

"Die stark fallenden Inzidenzwerte und die voranschreitende Immunisierung breiter Bevölkerungsgruppen werden Lockerungen möglich machen. Es zeichnet sich ein entspannter Sommer ab, der die Ladenkassen in den deutschen Innenstädten klingeln lassen wird", sagte Gitzel.

Das beurteilt die Bundesbank ähnlich. Es bestehe die Aussicht, dass die Eindämmungsmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie in den kommenden Monaten erheblich gelockert werden könnten. Im Frühjahr und noch mehr im Sommer könne die Wirtschaft stark zulegen und ihr Vorkrisenniveau "bereits im Herbst wieder überschreiten", so die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Die Bundesregierung rechnet derzeit dagegen erst für das kommende Jahr mit der Rückkehr zum Vorkrisenniveau.

Ifo-Geschäftsklima verbessert

Auf Unternehmensseite hat sich die Stimmung deutlich aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Mai auf 99,2 Punkte von 96,6 Zählern im April und damit auf den höchsten Wert seit Mai 2019, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Dienstag zu seiner Manager-Umfrage mitteilte. Dies ist auch ein besserer Wert als Volkswirte erwartet hatten. "Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Lage günstiger als zuletzt und auch die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate. Beide Teilindikatoren legten überraschend kräftig zu.

Experten wie Andreas Scheuerle von der Dekabank äußerten sich optimistisch: "Die Infektionszahlen sinken deutlich, und die Weltwirtschaft floriert, aus diesen Zutaten ist das Feuerwerk der Geschäftserwartungen gemacht. Die Dienstleister einschließlich des Handels setzen auf bessere Geschäfte in Deutschland, die Industrie auf starke Exporte, die im zweiten Halbjahr nicht mehr so stark durch Lieferengpässe beeinträchtigt werden."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Mai 2021 um 09:55 Uhr.