Dunkle Regenwolken über den Hafenanlagen in Hamburg | dpa

Konjunkturaussichten für 2021 Hoffnung auf Erholung der Wirtschaft

Stand: 31.12.2020 17:51 Uhr

Nach dem Corona-Einbruch 2020 glauben Experten an einen Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr. Helfen könnte der Aufschwung in China.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." Egal, ob dieses Zitat nun von Mark Twain, Karl Valentin oder Winston Churchill stammt: Selten hat es so gut gepasst wie zu Zeiten der Corona-Pandemie. Entsprechend schwer gestaltet sich die Antwort auf die Frage, wie es der deutschen Wirtschaft 2021 ergehen wird.

Wie lange dauert der aktuelle Lockdown noch an? Muss er verschärft werden? Werden weitere Lockdowns folgen? Wie viel Impfstoff können die Pharma- und Biotechfirmen liefern? Wann werden weitere Impfstoffe zugelassen? Wie groß ist die Impf-Bereitschaft der Bevölkerung?

Institute besonders uneins

Von der Beantwortung all dieser und vieler weiterer Fragen hängt ab, wie düster respektive rosig der Blick in die Zukunft der deutschen Wirtschaft ausfällt. Das dürfte erklären, warum die Konjunkturprognosen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für 2021 besonders weit auseinander gehen. Und warum sie immer wieder korrigiert werden müssen. Zuletzt oftmals nach unten.

Erst im Dezember hat die OECD ihre Prognose für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2021 auf 2,8 Prozent gesenkt. Die Industriestaaten-Organisation ist damit mit Abstand am pessimistischsten.

Konjunkturprognose 2021

Groß ist die Spannbreite der Prognosen für das deutsche BIP-Wachstum 2021.

Harter Lockdown zwingt zur Korrektur

Aber auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet jetzt nur noch mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaftsleistung von 3,5 Prozent. Anfang Dezember - also vor Verkündung des harten Lockdowns - hatten die Berliner Ökonomen noch ein Plus von 5,3 Prozent in Aussicht gestellt.

In ihren aktuellen Berechnungen gehen sie nun davon aus, dass der harte Lockdown bis mindestens Ende Januar 2021 aufrechterhalten werden muss. Im Februar werde dann voraussichtlich ein "Lockdown light" folgen.

"Mini-Rezession" zum Jahreswechsel?

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ist überzeugt: "Deutschland droht zum Jahresbeginn ein wirtschaftlicher Fehlstart." Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung sieht sogar "ein gewisses Risiko einer neuen Mini-Rezession" über den Jahreswechsel, also zweier aufeinanderfolgender Quartale leicht schrumpfender Wirtschaftsleistung.

"Die zweite Welle der Corona-Pandemie versetzt der deutschen Wirtschaft einen spürbaren Schlag, wirft sie aber nicht um", sagt dagegen Guido Warlimont, Sprecher des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Das IfW hatte seine Prognose zuletzt um deutliche 1,7 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent nach unten korrigiert.

Schild an einer geschlossenen Filiale mit der Aufschrift: Wegen Lockdown geschlossen. | dpa

Der erneute Lockdown macht der deutschen Wirtschaft zu schaffen. Bild: dpa

RWI: Zweiter Lockdown nicht so schlimm wie der erste

Ganz anders das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: Die Essener Ökonomen rechnen mit einem BIP-Plus von 4,9 Prozent für 2021 und zählen damit zu den absoluten Optimisten.

"Die stabile Auslandsnachfrage und wirtschaftspolitische Maßnahmen sorgen dafür, dass die deutsche Wirtschaft vom aktuellen harten Lockdown weniger stark getroffen wird als vom ersten im Frühjahr dieses Jahres", so RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt.

Zwei verlorene Jahre?

Dabei liegt der BIP-Prognose des RWI wie auch aller anderen Institute ein sogenannter positiven Basiseffekt zugrunde: Schließlich ergibt sich die BIP-Wachstumsrate durch den Vergleich mit der Wirtschaftsleistung des Vorjahres. Und 2020 war eben besonders schwach, da von der Pandemie gezeichnet.

Interessant ist daher auch der Vergleich der absoluten Zahlen: So erwartet die Deutsche Industriebank (IKB), dass die deutsche Wirtschaftskraft erst Ende 2021 wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen wird.

Hoffnung auf goldenen Herbst

Einigkeit herrscht bei den Ökonomen vor allem in einem Punkt: Die ersehnte Erholung dürfte erst im zweiten Halbjahr so richtig greifen. Bundesbank-Chef Jens Weidmann setzt dabei auf den privaten Konsum als Hoffnungsfaktor für 2021. Manche Verbraucher dürften dann aus dem Vollen schöpfen können, legten sie doch im Corona-Jahr so viel Geld auf die hohe Kante wie nie zuvor.

Ein anderer großer Hoffnungsfaktor ist Asien, vor allem China - das Land, in dem die globale Pandemie ihren Anfang nahm. "China hat die Corona-Pandemie wirtschaftlich besser als Europa weggesteckt, die Einkaufsmanagerindizes deuten auf ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum hin", so Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Industrie als Zugpferd?

Davon dürfte vor allem die exportorientierte deutsche Industrie profitieren. Denn während der Dienstleistungssektor unter den aktuellen Restriktionen leidet, muss die Industrie nicht stillstehen. Das ist ein großer Unterschied zum ersten Lockdown. Deutsche Schlüsselindustrien wie Auto, Chemie und Maschinenbau bleiben auf Wachstumskurs. "Deutschland dürfte von einem industriellen Boom-Zyklus profitieren", bilanziert Rethfeld.

Robert Rethfeld, Wellenreiter Invest

Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest sieht Deutschland als Profiteur des chinesischen Konjunkturaufschwungs.

Die Industrie ist für die Wertschöpfung in Deutschland besonders wichtig. Laut Weltbank lag ihr Anteil am BIP 2019 bei 26,8 Prozent. Andere Branchen wie Hotellerie und Gastronomie, die vom derzeitigen Lockdown stark getroffen sind, spielen für die gesamte Wirtschaftsleistung hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

Szenarien für 2022 und 2023

Hoffnung macht überdies der Blick über 2021 hinaus. Für 2022 rechnen alle großen Wirtschaftsforschungsinstitute mit einer deutlichen Beschleunigung des Wachstums. Doch auch diese Prognose ist mit großen Unsicherheiten behaftet.

So hat die Bundesbank ein Szenario durchgerechnet, bei dem die Beschränkungen in abgeschwächter Form bis 2023 aufrechterhalten werden müssen - etwa weil sich nicht ausreichend Leute impfen lassen. Das Ergebnis ist ebenso eindeutig wie ernüchternd: "Unter diesen Bedingungen würde die gesamtwirtschaftliche Leistung trotz noch stärkerer Stützung durch die Staatsfinanzen gravierenden und dauerhaften Schaden nehmen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Dezember 2020 um 06:48 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 31.12.2020 • 23:50 Uhr

22:40 von Anna-Elisabeth und @Kaneel

Huhu uss Kölle am Rhing. Kütt joot drüvver. Ich denke … man versteht das auch op Kölsch jeschrieve. Und mit der Förmlichkeit von "Sie" haben es Mundarten ja ganz allgemein nicht. Hätt Spaß jemaat … sich mit Ihnen in 2020 auszutauschen. Und ich bin sicher, dass es auch in 2021 gar nicht anders wird.