Eine Mitarbeiterin von Volkswagen Sachsen montiert einen ID.3. | dpa

Stand der Deutschen Einheit Wirtschaftsleistung im Osten weiterhin niedriger

Stand: 07.07.2021 14:27 Uhr

31 Jahre nach der Wiedervereinigung liegt das Wirtschaftsleistung in Ostdeutschland bei 77,9 Prozent des westdeutschen Niveaus. Das geht aus dem Jahresbericht zum Stand der Einheit hervor. Ausgeprägter als im Westen ist die Politik-Skepsis.

Die Wirtschaftsleistung in Ostdeutschland ist weiterhin geringer als im Westen. Das geht aus dem Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit hervor. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ostdeutschen Bundesländern erreichte demnach 2020 rund 77,9 Prozent des westdeutschen Niveaus. Berlin mitgerechnet waren es 82,8 Prozent.

Der Trend sei eindeutig, heißt es in dem Bericht: Der Abstand zwischen Ost und West baue sich zwar weiter schrittweise ab. "Die Zahlenvergleiche machen aber zugleich deutlich, dass es auch gut 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch einen klar erkennbaren Abstand in der Wirtschaftskraft zwischen Ost und West gibt."

Zugleich nehmen laut Bericht die regionalen Unterschiede in Ostdeutschland zu. Dabei hätten besonders Berlin und das Berliner Umland in den vergangenen fünf Jahren deutlich aufgeholt. Berlin habe im Jahr 2020 mit 100,1 Prozent der Wirtschaftsleistung - gemessen am gesamtdeutschen Durchschnitt des BIP je Arbeitsstunde je Erwerbstätigen - sogar erstmals den gesamtdeutschen Durchschnitt erreicht.

"Gemeinsame Gestaltung der Zukunft"

Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Marco Wanderwitz, sagte: "In den letzten 30 Jahren ging es darum, die durch Teilung und Transformation bedingten Unterschiede zu verkleinern. Dafür hatten wir eine Regionalpolitik mit spezifischer Ausrichtung für die neuen Länder aufgelegt. Der Maßstab für die innere Einheit hat sich nunmehr verändert: weg von einer Perspektive des Auf- und Nachholens, hin zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft."

Seit 2020 fördere man "nicht mehr nach Himmelsrichtung, sondern nach tatsächlichem Bedarf". Gleichwertige Lebensverhältnisse blieben das übergeordnete Ziel, so Wanderwitz. "Die innere Einheit bleibt ebenfalls eine Daueraufgabe. Sie muss die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft bewältigen."

Größere Politik-Skepsis im Osten

Der Ostbeauftragte sagte weiterhin, Ost und West seien sich 31 Jahre nach der Wiedervereinigung bei Lebensführung, Familienleben oder der Freizeitgestaltung sehr ähnlich. "Zu den noch verbleibenden Unterschieden zählt, dass in den neuen Ländern eine größere Minderheit eine skeptische und distanzierte Grundeinstellung gegenüber der Politik aufweist."

Der Bericht zitiert dazu eine Umfrage aus dem Jahr 2020. Darin hätten sich in den alten Ländern 25 Prozent und in den neuen Ländern 33 Prozent der Befragten als "Mensch zweiter Klasse" empfunden. Der Bericht stellt allerdings fest, die Unterschiede seien keineswegs so erheblich, dass sie das Zusammenwachsen in Deutschland grundsätzlich infrage stellten.

Wanderwitz hatte das kürzlich noch anders bewertet und wegen Äußerungen über Demokratiedefizite im Osten Kritik auf sich gezogen. Er sprach davon, dass Menschen in Ostdeutschland teilweise "in einer Form diktatursozialisiert" seien, dass sie nicht in der Demokratie angekommen seien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2021 um 12:00 Uhr.