Aufgestapelte Container und Container-Brücken im Hafen von Los Angeles | AFP

IWF-Konjunkturprognose Ukraine-Krieg bremst Weltwirtschaft

Stand: 19.04.2022 15:57 Uhr

Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 3,6 Prozent gesenkt. Gleichzeitig sei mit hohen Teuerungsraten zu rechnen. Hauptgrund sind die Folgen des Ukraine-Kriegs.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs bremsen die Erholung der Weltwirtschaft in diesem Jahr deutlich. Zu diesem Ergebnis kommt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktualisierten Konjunkturprognose. Die Weltwirtschaft wird danach in diesem Jahr um 3,6 Prozent wachsen - das sind 0,8 Prozentpunkte weniger als vom IWF noch im Januar vorausgesagt. Die Konjunkturaussichten hätten sich wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine und der danach gegen Russland verhängten Sanktionen "bedeutend verschlechtert", heißt es in dem Bericht.

Die Auswirkungen des Krieges werden in den Staaten danach sehr unterschiedlich stark zu spüren sein. Für die Ukraine selbst sagt der IWF einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 35 Prozent in diesem Jahr voraus. Die russische Wirtschaft werde ebenfalls in eine Rezession rutschen. Für das laufende Jahr erwartet der IWF einen Rückgang der russischen Wirtschaftsleistung um 8,5 Prozent und für 2023 ein Minus von weiteren 2,3 Prozent.

Deutsches Wirtschaftswachstum fast halbiert

Aber auch in der Eurozone insgesamt werden sich die Auswirkungen des Krieges deutlich zeigen. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands wird der Prognose zufolge 2022 um 2,1 Prozent zulegen. Damit fiele das Wirtschaftswachstum nur gut halb so stark aus, wie vom IWF noch im Januar geschätzt, als die Organisation für Deutschland noch ein Wachstum von 3,8 Prozent erwartet hatte.

Für die Eurozone insgesamt rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem Plus von 2,8 Prozent - 1,1 Prozentpunkte weniger als im Januar. Neben Deutschland muss unter anderem Italien mit einer überdurchschnittlichen Bremswirkung des Ukraine-Kriegs für die eigene Wirtschaftsleistung rechnen. Vergleichsweise korrigierte der IWF dagegen seine Erwartungen für Länder wie Frankreich nach unten.

Hohe Inflationsraten erwartet

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs dürften sich in höheren Teuerungsraten niederschlagen. In den Industrienationen rechnet der IWF in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 5,7 Prozent und in den Entwicklungs- und Schwellenländern mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 8,7 Prozent. Viele Staaten hätten mit hoher Inflation zu kämpfen, weswegen eine Straffung der Geldpolitik bevorstehe.

In der Eurozone schätzt der Währungsfonds die Teuerungsrate in diesem Jahr auf 5,3 Prozent. In Deutschland könnten es danach sogar 5,5 Prozent sein. In einigen EU-Staaten wie den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland seien sogar zweistellige Inflationsraten zu erwarten.

Prognose mit hoher Unsicherheit

Die neue Wirtschaftsprognose ist dem IWF zufolge mit ungewöhnlich hoher Unsicherheit verbunden. "Das Wachstum könnte sich weiter verlangsamen, während die Inflation unsere Prognosen übertreffen könnte - zum Beispiel falls Sanktionen auf Russlands Energieexporte ausgeweitet werden", erklärte IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas. Der IWF-Weltwirtschaftsausblick wurde am Rande der laufenden Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank in Washington veröffentlicht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. April 2022 um 15:00 Uhr.