Ein Schild mit der Aufschrift "Wir schließen" hängt am Rollgitter eines Ladens | dpa

Lage der Unternehmen Weniger Insolvenzen statt Pleitewelle

Stand: 10.06.2021 11:38 Uhr

Die Zahl der Insolvenzanträge von Unternehmen in Deutschland ist in den ersten Monaten des Jahres gesunken. Auch weitere Zahlen deuten bisher auf keine Pleitewelle hin. Dafür gab es deutlich mehr Verbraucherinsolvenzen.

Im laufenden Jahr ist die als Folge der Corona-Krise befürchtete Pleitewelle in Deutschland bislang ausgeblieben. Von Januar bis März stellten 3762 Unternehmen einen Insolvenzantrag, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das bedeutete einen Rückgang um 19,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres. "Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelte sich somit noch nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider", erläuterten die Statistiker.

Hinweise auf die weitere Entwicklung gebe die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren. Diese lag im Mai um sieben Prozent unter dem Wert des Vormonats. Im April hatte es sogar einen Rückgang von 17 Prozent gegeben, nachdem im Februar und März noch deutliche Zuwachsraten registriert worden waren.

Effekt der Corona-Ausnahmeregeln

Ein Grund für die bislang niedrige Zahl der Firmenpleiten im laufenden Jahr ist die in der Corona-Krise zeitweise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige und überschuldete Unternehmen. Zahlungsunfähige Firmen müssen seit Oktober 2020 wieder Insolvenz beantragen. Für überschuldete Betriebe war diese Pflicht bis Ende Dezember ausgesetzt. Bei Unternehmen, die noch auf die Auszahlung der seit November vorgesehenen staatlichen Hilfen warteten, gilt im Falle einer Schieflage die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens seit dem 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich.

Im Schnitt waren die im ersten Quartal von Insolvenz betroffenen Firmen größer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger lagen mit 17,1 Milliarden Euro deutlich über der Summe des Vorjahreszeitraumes von 7,3 Milliarden Euro.

Verbraucherinsolvenzen stark gestiegen

Anders als bei den Unternehmen entwickelte sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen. Diese stieg im ersten Quartal um mehr als die Hälfte zum Vorjahreszeitraum auf 22.686 an.

"Der starke Anstieg steht im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre", erläuterte das Statistische Bundesamt. Die Neuregelung ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang nach einem Insolvenzverfahren. "Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren", hieß es dazu.

Über dieses Thema berichtete MDR Sachsen am 08. April 2021 um 12:00 Uhr.