Hände ziehen einige Geldscheine aus einem Portemonnaie, darunter verschwommen ein gefüllter Einkaufskorb. | dpa
Hintergrund

Verbraucherpreise Inflation und kein Ende?

Stand: 30.08.2022 08:28 Uhr

Die Inflation ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Eine Trendwende scheint nicht in Sicht. Wird die Teuerung zum langfristigen Problem? Und was können die Notenbanken tun?

Von Antonia Mannweiler, ARD-Börsenstudio

Der Tankrabatt läuft aus, das Ende des 9-Euro-Tickets steht bevor - und auf die Verbraucher kommt nun auch noch die Gasumlage zu. All das wird die ohnehin schon hohe Inflation noch weiter nach oben treiben.

Diese Effekte dürften sich aber erst auf die Inflationszahlen im September durchschlagen, glaubt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank: "Allein deshalb sollte die Inflation dann im September einen Sprung um ungefähr einen Prozentpunkt nach oben machen", so der Analyst. "Dann kommen wir vermutlich deutlich über 8,5 Prozent raus."

Die Bundesbank geht in diesem Herbst sogar von einer Inflationsrate von zehn Prozent aus. Lange haben die Notenbanken die Inflation unterschätzt und sie als kurzfristiges Phänomen gesehen. Inzwischen hat sich der Wind aber gedreht. Die Zentralbanken haben weltweit begonnen, ihre Zinsen anzuheben. Besonders schnell und kräftig geht es in den USA nach oben. Die Europäische Zentralbank hat erst einen großen Zinsschritt von 0,5 Prozentpunkten gewagt - trotz einer Inflation von 8,9 Prozent im Euroraum.

Neuer Kurs der EZB?

Aber auch die EZB dürfte im Kampf gegen die Inflation deutlich entschlossener vorgehen. So jedenfalls kann man Äußerungen von EZB-Direktorin Isabel Schnabel beim wichtigen Notenbanktreffen im amerikanischen Jackson Hole an diesem Wochenende deuten: "Um Vertrauen zurückzugewinnen und zu bewahren, müssen wir die Inflation schnell wieder zum Zielwert bringen" - ganz neue Töne also. Commerzbank-Experte Krämer sieht darin sogar einen Wendepunkt. "Die Zentralbanken haben sicherlich momentan eine Zeitenwende durchzumachen", sagt er. "Da müssen sich die Zentralbanken total umstellen, denn sie hatten sich ja bisher darauf konzentriert, eine aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation wieder hochzubekommen."

Aber kann die EZB überhaupt die explodierenden Energiepreise mit höheren Zinsen aufhalten? Kurzfristig nicht, denn Zinserhöhungen wirken erst nach zwölf bis 18 Monaten. Trotzdem liegt der Ball bei der Inflationsbekämpfung eindeutig im Spielfeld der Notenbanken, sagt Thomas Mayer vom Flossbach von Storch Research Institute. Inflationsausgleichszahlungen des Staates seien sozialpolitisch vielleicht sinnvoll und notwendig; die Inflation selbst werde damit aber nicht bekämpft. "Letztendlich lassen Zentralbanken Inflation zu oder nicht. Über viele Jahre haben sie die Inflation steigern wollen, und jetzt ist ihnen so ein bisschen die Kontrolle entglitten."

Vertrauen ist entscheidend

Umso stärker müssen die Notenbanken jetzt gegensteuern. Die EZB könnte die Zinsen im September sogar um bis zu 0,75 Prozentpunkte erhöhen. An den Aktienmärkten wird das schon durchgespielt. Der DAX hat seit dem Notenbankertreffen in Jackson Hole deutlich nachgegeben. Denn höhere Zinsen bremsen die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit könnte steigen. Aber der Preis wäre noch höher, wenn die Preise ungebremst weiter steigen würden. Denn wichtig für die eigentliche Teuerungsrate seien vor allem die Inflationserwartungen der Menschen, sagt Ökonom Mayer. "Der Wert des Geldes hängt natürlich sehr davon ab, ob die Leute Vertrauen in seine Werthaltigkeit haben. Wenn sie dieses Vertrauen verlieren, dann kommen wir in eine Abwärtsspirale."

Denn bleiben die Inflationserwartungen hoch, droht eine Lohn-Preis-Spirale aus höheren Lohnforderungen und steigenden Preisen. Die Inflation würde dadurch weiter angetrieben. Die wichtigste Frage ist also, ob die Notenbanken wieder Vertrauen in die Preisstabilität zurückgewinnen können.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. August 2022 um 09:00 Uhr.