Eine Euro-Münze in den Farben Europas | dpa

Teuerung in der Eurozone Höchste Inflationsrate seit 2008

Stand: 01.10.2021 13:41 Uhr

Die Inflation im Euroraum ist im September auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen. Vor allem drastisch gestiegene Energiepreise sind für das Plus verantwortlich.

Die Verbraucherpreise sind im September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,4 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistikamt Eurostat mit. Im August hatte die Rate noch bei 3,0 Prozent gelegen. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 3,3 Prozent gerechnet. Höher war die Inflation zuletzt im September 2008.

Besonders stark verteuerte sich im September erneut Energie, die 17,4 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor. Preise für Industriegüter stiegen um 2,1 Prozent. Lebens- und Genussmittel kosteten ebenfalls 2,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dienstleistungen waren 1,7 Prozent teurer.

Die Kernteuerungsrate ohne Energie und Lebensmittel stieg ebenfalls. Sie erhöhte sich von 1,6 Prozent im August auf 1,9 Prozent. Volkswirte hatten dies erwartet. Die Kerninflation gilt vielen Ökonomen als zuverlässigere Messgröße für die Teuerung, da sie in der Regel weniger stark schwankt.

Hohe Inflation in den baltischen Staaten

Gestern hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die Inflation in Deutschland im September voraussichtlich 4,1 Prozent erreiche. Das ist die höchste Teuerung seit Ende 1993. Deutschland liegt damit spürbar über dem Schnitt der Euro-Länder.

Noch massiver verteuerte sich das Leben für Verbraucher in den Baltenstaaten Estland und Litauen: Dort liegt die Inflation im September laut Eurostat voraussichtlich bei über sechs Prozent. Am wenigsten stark machten sich die steigenden Energiepreise demnach bisher auf Malta bemerkbar: Mit voraussichtlich 0,7 Prozent liegt die Teuerung dort deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebt wird.

Höhepunkt im November?  

Christoph Weil, Analyst bei der Commerzbank, prognostiziert, dass die Inflationsrate in der Eurozone im November mit etwa 3,5 Prozent den Hochpunkt erreichen werde. "Anfang des kommenden Jahres wird sie dann wieder deutlich nachgeben, wenn die Senkung der deutschen Mehrwertsteuer im zweiten Halbjahr 2020 die Inflationsrate nicht mehr nach oben verzerrt, die Corona-Effekte nachlassen und die Lieferengpässe allmählich überwunden werden."

Für Fachleute hängt die künftige Richtung der Verbraucherpreise vor allem von der Lohnentwicklung ab: "Würden die höheren Konsumentenpreise Niederschlag in den Arbeitnehmerentgelten finden, bestünde das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale", kommentiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Noch sei davon nichts zu spüren, doch die Notenbanker sind mittlerweile nicht mehr ganz so gelassen wie noch vor wenigen Wochen, meint Gitzel.  

"Um eine ernste Inflationslage handelt es sich dann, wenn sich Zweitrundeneffekte stärker durchsetzten", argumentiert auch Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe. Dazu gehöre vor allem das Lohnwachstum. "Hiervon ist bislang jedoch noch nichts zu spüren", unterstreicht Commerzbank-Experte Weil.

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KOMMENTARE

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sikgrueblerxyz 01.10.2021 • 23:14 Uhr

15:51 von Adeo60 nixht einfach

" So mancher wird eine neue Bescheidenheit lernen müssen, die aber keineswegs mit einem Weniger an Lebensqualität gleichzusetzen ist, " nicht einfach für einen Hatz4 Bezieher, Ihre Ratschläge umzusetzen