"Heizöl" und "Diesel" steht auf einem Tankfahrzeug eines Heizöllieferanten. | dpa

Teure Energie Euro-Inflation auf Rekordhoch

Stand: 01.07.2022 13:56 Uhr

Während die Teuerung in Deutschland zuletzt leicht gesunken ist, steigt die Inflationsrate in den Euro-Staaten weiter an. Vor allem wegen der hohen Energiepreise erreicht sie 8,6 Prozent.

Wegen des massiven Anstiegs der Energiepreise hat die Inflation im Euro-Raum im Juni ein Rekordniveau erreicht. Die Verbraucherpreise zogen binnen Jahresfrist durchschnittlich um 8,6 Prozent an, teilte das Statistikamt Eurostat heute in einer ersten Schätzung mit. Damit wurden die Prognosen von Volkswirten sogar übertroffen, die eine Inflationsrate von 8,4 Prozent erwartet hatten.

"Das Inflationsdrama geht in die nächste Runde, der Gipfel ist noch nicht erreicht", kommentierte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. Im Mai hatte die Teuerung bereits bei 8,1 Prozent und im April bei 7,4 Prozent gelegen. Damit liegt die Inflation mittlerweile mehr als viermal so hoch wie die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die zwei Prozent Teuerung für die Wirtschaft als optimalen Wert ansteuert.

Viele Experten für größere Zinsschritte

Die EZB hatte unlängst wegen des anhaltenden Inflationsschubs die Zinswende angekündigt. Nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik sollen in diesem Monat die wichtigsten Zinssätze um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht werden. Das wäre für die Währungshüter die erste Zinsanhebung seit 2011. Die Euro-Notenbank hat zudem bereits weitere Schritte nach oben angekündigt. Manche Euro-Wächter erwarten bei der September-Sitzung dann einen stärkeren Zinsschritt um 0,50 Prozentpunkte.

Doch nach Einschätzung einer Reihe von Experten reicht das nicht. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, hält ein entschiedenes Handeln der EZB für nötig: "Sie sollte sich einen Ruck geben und die Zinsen auf der nächsten Sitzung im Juli nicht nur wie angekündigt um einen Viertelprozentpunkt, sondern um einen halben Prozentpunkt anheben," forderte Krämer.

"Bevor die Konjunktur nicht mehr mitspielt, sollte die EZB schon im Juli einen großen Zinsschritt wagen", sagte auch Krüger. Die Konjunkturrisiken seien wegen der kräftigen Realeinkommensverluste hoch. Allerdings stehen die Notenbanker vor dem Dilemma, das ein zu schnelles Anheben der Leitzinsen die ohnehin bereits schwächelnde Konjunktur vollends abwürgen könnte.   

Steigende Preise auf breiter Front

Laut Eurostat kletterten im Juni die Preise für Energie zum Vorjahr um 41,9 Prozent, nach einem Preisschub von 39,1 Prozent im Mai. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen im Juni um 11,1 Prozent an, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,4 Prozent.

Die Preise erhöhten sich wie im Vormonat auf breiter Front. Dies zeigt die sogenannte Kernrate, bei der die schwankungsreichen Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel herausgerechnet sind. Diese lag im Juni bei 4,6 Prozent. Im Mai hatte die Kernrate bei 4,4 Prozent gelegen.

Der Anstieg der Preise in Deutschland hatte sich zuletzt verlangsamt. Im Juni legten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,6 Prozent zu. Im Mai hatte die Jahresinflationsrate noch bei 7,9 Prozent gelegen.

Über dieses Thema berichteten am 01. Juli 2022 tagesschau24 und Deutschlandfunk um 14:00 Uhr.