Eine Euro-Münze in den Farben Europas | dpa

5,1 Prozent Preisanstieg Rekord-Inflation in der Eurozone

Stand: 02.02.2022 12:59 Uhr

Die Teuerungsrate in den Euro-Ländern ist auf 5,1 Prozent angestiegen - was Experten überrascht. Grund sind vor allem die Energiekosten. In vielen EU-Staaten ist die Inflation noch höher als in Deutschland.

Die Inflation im Euroraum ist auf einen Höchststand gestiegen. Die Verbraucherpreise lagen im Januar 5,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Der Anstieg kommt überraschend, denn Beobachter hatten mit einem Rückgang auf 4,4 Prozent gerechnet. Im Dezember hatte die Teuerungsrate noch 5,0 Prozent betragen.

Energie bleibt größter Preistreiber

Preistreiber Nummer eins sind nach wie die hohen Energiekosten. Strom, Gas, Heizöl oder Benzin waren im Schnitt um 28,6 Prozent teurer als im Januar 2021. Viele Wirtschaftsbereiche leiden aber auch unter Lieferengpässen. Grundstoffe werden teurer, was sich dann für die Endverbraucher an der Kasse bemerkbar macht. Für verarbeitete Lebensmittel, Tabakwaren und Alkohol mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher 3,6 Prozent mehr ausgeben als vor einem Jahr, für Dienstleistungen 2,4 Prozent.

In Deutschland ist die Preissteigerung aktuell leicht zurückgegangen und liegt mit 4,9 Prozent jetzt unter dem europäischen Schnitt. Die höchsten Inflationsraten haben die Statistiker in Estland und Litauen mit rund zwölf Prozent registriert, in Belgien und der Slowakei sind es 8,5 Prozent. In Finnland, Portugal und Frankreich steigen die Lebenshaltungskosten dagegen vergleichsweise langsam.

Der Druck auf die EZB steigt

Die aktuellen Werte sind deutlich höher als die Inflationsrate von zwei Prozent, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) eigentlich angestrebt wird. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer lockeren Geldpolitik und den milliardenschweren Anleihekäufen die Preissteigerung weiter anzuheizen.

So erhöht der Anstieg nochmal deutlich den Druck auf die europäischen Notenbanker, die Zinsen zu erhöhen. Der EZB-Rat kommt morgen zusammen. Bisher hieß die Devise jedoch: höhere Zinsen frühestens nächstes Jahr, sonst könnte die europäische Wirtschaft bei Ihrer Erholung vom Corona-Schock gebremst werden.

Banker und Volkswirte sind sich einig

Für eine baldige Zinserhöhung plädiert dagegen der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands Helmut Schleweis. Wenn die EZB nicht oder zu spät reagiere und die Inflation weiter hoch bleibe, drohe eine gefährlich Lohn-Preis-Spirale, so Schleweis.

Auch die Chefvolkswirtin der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Fritzi Köhler-Geib, warnt: "Falls ein merklicher Abwärtstrend bei der Inflationsrate ausbleibt, steigt jedenfalls der Druck auf die Lohnverhandlungen zu höheren Abschlüssen und damit auch die Gefahr von Zweitrundeneffekten. In diesem Fall rechne ich mit einer früher als aktuell kommunizierten Reaktion der Geldpolitik."

Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, sieht ebenso dringenden Handlungsbedarf. Die EZB "sollte die massiv gestiegenen Inflationszahlen endlich anerkennen und geldpolitisch den Fuß vom Gas nehmen."

Mit Informationen von Nicholas Buschschlüter, ARD-Börsenstudio, und Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete BR24 am 02. Februar 2022 um 12:05 Uhr.