Neuer Zehn-Euroschein

Steigende Erzeugerpreise Inflationsvorbote auf Rekordhoch

Stand: 02.09.2022 14:03 Uhr

Die Preise der Hersteller in der Eurozone steigen so schnell wie noch nie. Das erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank, die Zinsen in der kommenden Woche sehr deutlich anzuheben.

Der Preisauftrieb in der Eurozone auf Erzeugerebene hat sich verstärkt. Im Juli stiegen die Produzentenpreise zum Vorjahresmonat um 37,9 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat heute in Luxemburg mitteilte. Das ist der stärkste Schub seit Bestehen der Währungsunion. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 35,8 Prozent gerechnet. Im Juni hatte das Plus bei 36,0 Prozent und im Mai bei 36,2 Prozent gelegen.

Wichtiger Frühindikator für die Inflationsrate

Hintergrund des rasanten Preisauftriebs sind in erster Linie die stark gestiegenen Energiepreise, die im Juli um 96,2 Prozent in die Höhe schnellten. Lässt man diesen Preisanstieg außen vor, zogen die Erzeugerpreise in der Industrie um 15,5 Prozent an. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt - also bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen.

Die Erzeugerpreise gelten daher als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der Verbraucherpreise. Die Inflationsrate in der Eurozone war im August gegenüber dem Vorjahresmonat auf ein Rekordhoch von 9,1 Prozent geklettert, wie die europäischen Statistiker zur Wochenmitte auf Basis einer Schnellschätzung mitgeteilt hatten.

Druck auf EZB wächst

Sowohl die hohe Inflationsrate als auch das Warnsignal von den Erzeugerpreisen erhöhen den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter der Eurozone hatten es mit Blick auf den rasanten Preisauftrieb versäumt, frühzeitig gegenzusteuern, kritisieren Experten.

"Die EZB hinkt der Teuerungsentwicklung hinterher", konstatierte jüngst etwa Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP Bank in Liechtenstein. Erst im Juli hatten sich die EZB zur ersten Zinserhöhung seit elf Jahren durchgerungen und den Leitzins auf 0,5 Prozent angehoben.

Wagt die EZB einen Riesen-Zinsschritt?

Am Markt wird nun vermehrt auf einen sehr kräftigen Zinsschritt der europäischen Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde spekuliert. Zuletzt hatten auch einige der größten Wall-Street-Banken ihre Zinsprognosen für die Eurozone nach oben korrigiert. Die Volkswirte von Goldman Sachs, JP Morgan und Bank of America erwarten nun unisono eine Erhöhung um 75 Basispunkte auf der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag nächster Woche.

In den vergangenen Tagen hatten sich bereits einige "Falken" aus dem EZB-Rat, also Anhänger eines beherzten geldpolitischen Vorgehens gegen die Inflation, für einen solchen Schritt ausgesprochen. Auch an den Geldmärkten wird eine kräftige Zinserhöhung um 75 Basispunkte inzwischen eingepreist.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. September 2022 um 12:00 Uhr.