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Folgen des Ukraine-Kriegs Bis zu 6,1 Prozent Inflation erwartet

Stand: 23.03.2022 12:46 Uhr

Russlands Krieg gegen die Ukraine beschleunigt nach Einschätzung des ifo-Instituts den Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland. Die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit 1982 steigen.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs bremsen die deutsche Wirtschaft voraussichtlich stark. "Wir erwarten in diesem Jahr nur noch zwischen 2,2 und 3,1 Prozent Wachstum", sagte Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, zur neuen Prognose der Ökonomen und Regierungsberater. Bisher hatten sie noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,7 Prozent gerechnet.

Zugleich dürfte die Inflation extrem steigen: Die Münchner Forscher rechnen nun mit 5,1 bis 6,1 Prozent für 2022. Das wäre die höchste Rate seit 40 Jahren. Im Dezember hatten die ifo-Experten hier noch 3,3 Prozent vorhergesagt.

Zwei Ölpreis- und Erdgas-Szenarien

Bemerkenswert ist die große Bandbreite der neuen Inflationsprognose von einem vollen Prozentpunkt. Diese ergibt sich daraus, dass die Forscher wegen der unsicheren Lage in der Ukraine mit zwei Szenarien rechnen. Im optimistischen Szenario sinkt der Ölpreis von derzeit 101 Euro pro Fass schrittweise auf 82 Euro bis zum Jahresende, und der Preis für Erdgas fällt parallel dazu von 150 Euro pro Megawattstunde auf 108 Euro.

Im pessimistischen Szenario steigt Öl auf 140 Euro pro Fass bis Mai und sinkt erst dann auf 122 Euro zum Jahresende. Der Preis für Erdgas dürfte hierbei bis Mai auf 200 Euro steigen und dann nach und nach auf 163 Euro pro Megawattstunde sinken. Die Energiekosten wirken sich stark auf die privaten Konsumausgaben aus. Sie könnten - je nach Szenario - zwischen 3,7 und 5 Prozent steigen.

ifo-Institut rechnet 2023 mit Abebben der Inflation

Durch den Anstieg der Verbraucherpreise geht dem ifo-Institut zufolge allein bis Ende März Kaufkraft von etwa 6 Milliarden Euro verloren. Die vollen Auftragsbücher der Industrie und die Normalisierung bei der Pandemie gäben der Konjunktur zwar einen kräftigen Schub.

Aber der Krieg "dämpft die Konjunktur über deutlich gestiegene Rohstoffpreise, die Sanktionen, zunehmende Lieferengpässe bei Rohmaterialien und Vorprodukten sowie erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit", so ifo-Experte Wollmershäuser. Nächstes Jahr werde das Wachstum auf 3,3 bis 3,9 Prozent zulegen und die Inflation auf etwa 2,0 Prozent abebben.

"Diverse Risiken"

Zuletzt hatten mehrere Ökonomen wegen des Ukraine-Kriegs steigende Verbraucherpreise für Deutschland in Aussicht gestellt. So erwarten etwa die Fachleute der Bundesbank für das laufende Jahr einen Anstieg der Inflationsrate auf 5 Prozent.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rechnet dem "Handelsblatt" zufolge mit einer Inflationsrate von 5,9 Prozent für 2022 und 2,5 Prozent für 2023. "Die hohen Inflationsraten werden wir nicht mehr so schnell los", sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank und federführend für die Konjunkturprognose verantwortlich, dem Blatt. "Und es gibt diverse Risiken, die dafür sorgen könnten, dass wir nicht mehr so schnell herauskommen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. März 2022 um 22:30 Uhr.